Datong (Shanxi): Irgendwie in die richtige Richtung

Um 8 Uhr gut erholt aufgewacht und mit dem einen im Preis enthaltenen Hotelgutschein gleich runter ins Restaurant, um das Frühstücksbuffet zu testen. Das – rein chinesische – Buffet war in Ordnung, aber nicht der Hit: insbesondere die Bao Zi waren doch sehr zäh.

Danach wollten wir eigentlich mit dem Taxi zum „Oberen Huyuan Tempel“ (Kommentar des Fahrers: „Der ist wegen Umbauarbeiten geschlossen!“), alternativ zur 9-Drachen-Wand (Auch dieses Wunschziel wurde kommentiert: „Da gibt’s doch nichts zu sehen, geht lieber zum Shanhua Tempel!“). So ganz koscher war mir der Fahrer jetzt nicht mehr und da wir gerade in der Huayansi Jie waren – laut Lonely Planet für ihre Teehäuser bekannt – baten wir den Fahrer uns genau hier raus zu lassen.

Die Straße war dann aber doch wieder nur Kommerz. Wir also zu Fuß weiter zu dem empfohlenen Tempel (unser ursprüngliches Ziel glich tatsächlich einer großen Baustelle), nach kurzer Zeit begleitet von einem gemütlichen Opa, der uns querfeldein zu dem Tempel führte. Der Shanhua Tempel selbst (20 RMB) fällt in die Kategorie „klein aber fein“, denn es gibt nur eine Vorhalle und zwei Haupthallen zu besichtigen. Abseits vom Trubel strahlte der Platz vor allem eine angenehme Ruhe aus.

Da Chen Nee ja noch nichts gefrühstückt hatte, machten wir uns auf die Suche nach der obligatorischen Seitengasse – vorbei an dem ersten Hundelokal, das uns aufgefallen ist. Wir wurden schließlich fündig und Chen Nee wählte eine Bohnensuppe ohne erkennbare Bohnen, dafür mit Tofu und Ei – sie war happy.

Danach weiter Richtung 9-Drachen-Wand, und auch hier sollte sich die Einschätzung des Taxifahrers bewahrheiten: fünf Minuten später und um 10 RMB  erleichtert, waren wir wieder draußen. Mittlerweile war es 11:30 Uhr und damit höchste Zeit zurück zum Hotel zu kommen und auszuchecken. Pünktlich zur Mittagszeit war das geschafft und nun war es für meinen Magen an der Zeit, wieder Nachschub zu bekommen. Die Suche im Bahnhofsviertel führte uns diesmal zu „Original Hangzhou Bao Zi“ – wie fast immer vor unseren Augen frisch zubereitet. Die zahlreichen Fliegen an der Wand bereiteten mir zunächst einige Sorgen, doch auch hier spielte mein Magen klaglos mit (Nachträglich ein großes Lob an ihn und seine Organ-Kollegen!)

Ab an den Bahnhof und um 13:40 Uhr in den Zug zurück nch Beijing gestiegen. Das Bier zum Lunch zeigte seine Wirkung, denn die ersten zwei Stunden war erst einmal Siesta angesagt. Danach ein bisschen Lesen und Schreiben und schon waren wir an unserem (Zwischen-)Ziel angekommen. Jetzt hieß es hoffen, schließlich wollten wir ja eigentlich nah Ji’nan. Und tatsächlich: für den Zug um 23 Uhr gabe es noch zwei (Steh-)Plätze. Besser als nichts, also gleich gebucht (73 RMB, K41, 6:30h) – schließlich ist man ja irgendwie doch Backpacker.

Die Zeit bis zur Abfahrt erkundeten wir die Bahnhofsumgebung und probierten japanisches Fast Food bei „Yoshinoya“ – genauso teuer wie eine ganze Mahlzeit im Hutong, aber zumindest sättigend. Um 22:30 Uhr dann ins Abenteuer Stehplatz gestürzt: die erste Stunde tatsächlich stehend, dann Sitzplatzhopping, wo gerade was frei war. Nicht gerade das, was man bis 05:30 Uhr machen möchte.

Fotos des Tages:

Erstellt am Freitag 9. Oktober 2009
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Datong (Shanxi): Treffen mit dem chin. Außenminister

Wieder mal geschlafen wie ein Sack und erst vom Handyalarm, dann vom Bahnpersonal geweckt worden – Ankunft in Datong wie geplant um 6:30 Uhr. Als wir vor das Bahnhofsgebäude traten, wurden wir schon von einer Meute belagert, die uns Hotel/Tour/Taxi oder eine beliebige Kombination davon vermitteln wollten. Unser Hotel hatten wir jedoch bereits am Vortag übers Internet reserviert, vor dem Einchecken wollten wir jedoch noch unsere Zugtickets für den folgenden Tag nach Ji’nan kaufen.

Die Ernüchterung war groß, denn die Tickets für unseren Zug waren bereits alle ausverkauft. „Golden Week“ oder generelles Problem? Wir wussten es nicht. Also erst mal im Hong Qi Grand Hotel [Hongqi Dafandian] eingecheckt, direkt neben dem Bahnhof gelegen und mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis (280 RMB). Als wir dort nach einem Bus oder anderen Alternativen nach Ji’nan gefragt haben, sind wir schließlich doch bei einem „Agenten“ von CITS (sowas wie die offiziellen Reisebüros in China ) gelandet. Bustickets konnte der zwar auch keine mehr organisieren, aber wir entschlossen uns bei ihm die 2-in-1-Tagestour zum Hängenden Kloster und den Yungang-Höhlen zu buchen (225 RMB inkl. Mittagessen, statt 120 RMB reiner Eintrittspreis) – im Nachhinein eine gute Entscheidung, da insbesondere das Hängende Kloster schnell erkundet ist und eine langwierigie individuelle Anreise nicht rechtfertigen würde.

Um neun Uhr sollte es losgehen, genug Zeit das Gepäck nun tatsächlich auf die Zimmer zu bringen und in einem kleinen Laden noch ein Frühstück zu erhaschen: Dao Xiao Mien („mit dem Messer geschabte Nudeln“), eine Art Spätzlesuppe mit pikantem Hackfleisch – sehr lecker.

Der Bus fuhr erst die knapp 70 Kilometer nach Südosten zu dem Kloster, mit kurzen Halt in einem einfachen Dorf (Dong Ge Tun), wo wir schnell von Einheimischen belagert wurden, die uns Selbstgebasteltes verkaufen wollten. Die gesamte Gegend ist stark industriell geprägt, mit einem Schwerpunkt auf dem Steinkohleabbau – entsprechend verschmutzt war die Luft und entsprechend unattraktiv die Umgebung. Nach zwei Stunden erreichten wir das Kloster, das sehr überschaubar ist und – um mit dem Worten unseres Lonely Planet zu sprechen – kein „kulturelles Schwergewicht“ ist. Die Besonderheit ist, dass es in ehemals 100 Metern Höhe in die Felswand hinein gebaut wurde und über die Jahrhunderte von Buddhisten, Taoisten und Konfuzinern bewohnt wurde.

Nach einer knappen Stunde ging es dann weiter, zunächst zum Mittagessen (im Gegensatz zu dem bei uns zu diesen Gelegenheiten servierten Jägerschnitzel mit Kroketten sehr lecker) und dann zurück nach Datong und 15 Kilometer Richtung Westen zu den Yungang-Höhlen. Diese sind unbestritten das Highlight der Region: rund 40 Höhlen unterschiedlicher Größe, in den in jahrelanger Arbeit buddhistische Skulpturen aus dem (Sand-)Stein gehauen wurden – und das im 5. Jahrhundert. Am bekanntesten ist eine riesige Buddhastatue, die früher von einem Holztempel verdeckt wurde. Dieser fiel jedoch einem Erdbeben zum Opfer, so dass sich die Statue jetzt als ideales Fotomotiv anbietet. Eine Popularität, weswegen man der Statue auch den Spitznamen „chinesischer Außenminister“ gab.

Die Umgebung ist leider eine riesige Baustelle, in einigen Jahren soll hier ein unterirdisches Museum entstehen. Das galt es jedoch auszublenden und sich stattdessen auf unsere Führerin an diesem Tag, Li An, zu konzentrieren, die uns versuchte die Unterschiede zwischen Buddha- und Bodhisattva-Darstellungen zu vermitteln.  Nach dieser Kurzeinführung hatten wir noch eine knappe Stunde Zeit, den Platz auf eigene Faust zu erkunden – gerade ausreichend, ohne dass man sich gehetzt gefühlt hat.

Gegen 17 Uhr zurück im CITS Büro angekommen, hatten wir auch einen Plan B für die Weiterreise entworfen: am nächsten Tag zurück nach Beijing, um dort unser Glück zu versuchen (schließlich sollte auch unser ursprünglich geplanter Zug die Route über Beijing nehmen) – und tatsächlich, es gab noch genau einen Zug mit genau zwei freien Plätze für unseren Wunschtag. Und wieder Schlafkojen, so dass man notfalls auch ein Mittagsschläfchen halten kann.

Etwas beruhigt, dass unser Weiterkommen gesichert war, gingen wir kurz auf das Zimmer und machten uns etwas frisch. Danach gleich mit dem Bus Nr. 4 ins Stadtzentrum (1 RMB). Chen Nee hatte unseren Guide nach einer guten „Essstraße“  gefragt und als Antwort die Shuai Fu Jie genannt bekommen – gleich mit dem Hinweis, dass es dort Kaninchenkopf usw. gebe und das sei wahrscheinlich nichts für ihn. Dort angekommen, reihte sich dann tatsächlich ein Kaninchenkopf-Verkäufer neben den anderen. Wir also weiter ins „Yonghe Shifu“, dem besten Restaurant am Platz (so zumindest der gleichlautende Tenor von Lonely Planet und Li An), und „Jian Jiao“ (sowas wie angebratene Jiao Zi), „Bohnen mit verdrehtem Teig“ sowie als Highlight „Angeschwipste Garnelen nach Art des Hauses“ bestellt (200 RMB). Dass das Restaurant schon bei unserer Ankunft ziemlich leer wr und wir gegen neun Uhr fast hinauskomplementiert wurden, spricht erst einmal nicht gegen die Lokalität – wie wir später herausgefunden haben, essen die Chinesen wohl einfach früher.

Mit dem Taxi (8 RMB) ging’s dann zurück ins Hotel, wo wir erschöpft und pappsatt ins Bett gefallen sind.

Fotos des Tages:

Erstellt am Donnerstag 8. Oktober 2009
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