Wuyuan (Jiangxi): Dörfliches Leben

Nach gemeinsamen Frühstück ging’s zur Bank und anschließend zum Busbahnhof – es galt den Bus um 12:30 Uhr nach Wuyuan zu erwischen, was uns als Ausgangsbasis für die Erkundung der umliegenden Dörfer dienen sollte. Tickets gerade gekauft (38 RMB), als uns ein Fahrer seine Dienste anbot: direkt in eines der Dörfer in nur einer Stunde, statt drei Stunden mit dem Bus. Also Tickets gleich wieder zurück gegeben (20% Stornogebühr) und das Taxi nach Xiaoqi (150 RMB) genommen.

Dort angekommen, mussten wir erneut feststellen, dass unser treuer Begleiter Lonely Planet in China schnell veraltet: seit 2009 gibt es ein neues Preissystem (anscheinend hat sich ein privater Investor des Themas angenommen) und statt der angegebenen 20 RMB kostet der Eintritt nun stolze 60 RMB für ein einzelnes Dorf. Es gab allerdings ein fünf Tage gültiges Kombi-Ticket für insgesamt 10 Dörfer bzw. Sehenwürdigkeiten (180 RMB, Student ca. 120 RMB). Die Zutrittskontrolle war ebenfalls auf höchstem technischen Niveau, mit Plastikkarte, Fingaberabdruck-Scanner usw.

Eine Schülerin (30 RMB) zeigte uns verschiedene – teilweise noch bewohnte – Häuser des Dorfes, beginnend im Ortsteil „Unteres Xiaoqi“. Es sah so aus, als ob der überwiegende Teil der rund 500 Einwohner im Souvenirverkauf tätig ist, was natürlich leider auf Kosten der Atmosphäre geht. Nach einer prinzipiell kostenfreien und eigentlich recht interessanten Teeverkostung ging‘ dann weiter ins deutlich beschaulichere „Obere Xiaoqi“, wo wir eher ein Gefühl für die Lebensweise der Bewohner bekamen. Nachdem wir in einem der Häuse unser Mittagessen bestellt hatten, erkundeten wir noch einige weitere Gebäude – allesamt im Huizhou-Stil, d.h. zweistöckig und mit einer kleinen Lücke im Dach, um das Regenwasser zu sammeln. Der zweite Stock war dabei den Mädchen vorbehalten, um zu verhindern, dass sie vor Ihrer Verheiratung das Haus verließen.

Nach einer halben Stunde ging’s zurück zu unserem „Lokal“ (eher das Wohnzimmer der Familie, mit nur einem Tisch). Das Freilandhuhn war mittlerweile geschlachtet und schon im Suppentopf gelandet. Zusammen mit einem rotem Karpfen und dem obligatorischen Gemüse aus weitgehend eigenem Anbau waren die Gerichte durch die Bank zwar gut – wenngleich nicht überragend.

Gegen 15:30 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zum Dorfeingang und auf zu unserem nächsten Ziel, (Xiao) Likeng, wo wir auch übernachten wollten. Nach harter Verhandlung fanden wir auch einen Fahrer, der uns für 55 RMB dorthin brachte (die Brüder nutzten die Tatsache, dass kein Bus mehr fuhr, gnadenlos aus – willkommen in der Marktwirtschaft) und – dort angekommen – auch gleich eine Unterkunft anpries. Damit war er allerdings nicht alleine, denn am Eingang wartete schon eine Frau, die ebenfalls Räume anbot. Beide kosteten 60 RMB, aber das der Frau gehörenden „???“ (zwischen Shengming Pavillon und Alter Bühne gelegene) erschien uns deutlich sympathischer und einen Ticken sauberer als das – übrigens auch im Lonely Planet gelistete – „???“.

Nachdem wir unser Gepäck abgelegt und die dringendsten Geschäfte erledigt hatten, wurde es auch schon dunkel. Wir streiften eine Weile entglang der beiden Flüsschen, die sich durch das Dorf ziehen, und am Shengming Pavillon aufeinanderstoßen. Mangels Alternativen war das dort befindliche Teehaus dann auch unser Anlaufpunkt für ein kleines Abendessen (die Spieße organisierte der Chef von der gegenüber liegenden Dorf-Karokebar), bis es dann zeitig in die Heia ging.

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Erstellt am Mittwoch 21. Oktober 2009
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Huang Shan (Anhui): Canyon-Trecking

Ein Wecker wäre diesmal gar nicht nötig gewesen, denn ab 5 Uhr bereiteten sich vor unserem Fenster die Tourigruppen auf den Abmarsch vor. Da wir nur einen kurzen Aufstieg vor uns hatten, machten wir uns gegen 5:30 Uhr auf den Weg, um am „Purple  Valley Peak“ um gute Plätze zu kämpfen. Diesmal sollten wir wettertechnisch mehr Glück haben als auf Tai Shan: wolkenloser Himmel ermöglichte ein paar schöne – wenn auch nicht weltbewegende – Aufnahmen von der aufgehenden Sonne. Zurück im Hotel stärkten sich die Mädels mit einem Topf Instantnudeln, während ich mich über die Oreo-Kekse von Joyce und den grünen (Hotel-)Tee hermachte.

Gegen 8 Uhr machten wir auf zum eigentlichen Highlight unserer Huang-Shan-Tour, dem Xihai Canyon: inmitten einer faszinierend schroffen Landschaft ging es auf betonierten, aber nur wenige Zentimeter dicken Wegen – unter denen teilweise Hunderte Meter Abgrund lauerten – zuerst hinunter auf den Boden der Schlucht (1300 m) und dann wieder hinauf zum „Bright Summit Peak“ [光明顶] (1840 m). Für meinen Geschmack absolut die richtige Mischung aus Abenteuer und Sicherheit. Interessant ist auch, dass man oft selbst gar nicht merkt, welch Abgründe sich gerade unter einem auftun, so dass mir nur beim Fotografieren der anderen manchmal etwas mulmig wurde. Die Natur wirkte aber scheinbar auch unglaublich inspirierend: mit geschultem Blick entdeckten wir unterwegs eine Felsformation, die bisher noch auf keiner Karte verzeichnet war und von uns den Namen  „Kleiner Affen, der auf’s Meer blickt“ erhielt.

Gespickt mit vielen Foto- und Esspausen dauerte es rund acht Stunden, bis wir endlich an der „Cloud Valley Temple“-Seilbahn vom Vortag (80 RMB) ankamen.  Ziemlich geschlaucht ging’s mit dem Taxi (50 RMB und damit gerade so teuer, dass es für vier Personen immer noch 2 RMB günstiger als der Bus war) und dem Bus über Tangkou zurück nach Tunxi. Dort noch mit dem Bus ein Stück weiter bis zur Lao Jie, der Alten Straße, in dem sich auch das Hotel mit unserem Gepäck befand – nur leider am entgegen gesetzten, rund 1 Kilometer entfernten Ende. Also erst einmal was in einem der bekanntesten Restaurants Tunxis gegessen, dem „Meishi Renjia“  (wir hatten uns den ganzen Tag nur von Keksen und Äpfeln ernährt): man kann sich die gesamte „Speisekarte“ in Form von Ausstellungsstücken begutachten, die jeweils mit einer Nummer versehen sind. Wenn man was Geeignetes gefunden hat (die Auswahl ist so groß, dass mit Sicherheit für jeden was dabei ist), trägt man Anzahl, Nummer und zur Sicherheit noch den (sehr fairen) Preis auf eine Art Bestellzettel und gibt diesen bei einer Kellnerin ab – danach geht alles seinen gewohnten Gang. Wir ließen die Schildkröte links liegen und entschieden uns stattdessen für Suppe, Dumplings (unser Favorit war die Kürbisfüllung), eine Art Chili-Chips, Seetang-Salat und als Nachtisch noch Yam-Eis und „Silberohr“ (ein weißer Pilz mit leicht süßlichem Geschmack) – zu viert schlemmt sich’s einfach besser. 🙂

Nach „getaner Arbeit“ ging’s die Souvenirstraße hinunter bis zum „Old Street Hotel“, wo wir gleich wieder eincheckten. Joyce und Yvonne entschieden sich für das Standard-Doppelzimmer (220 RMB), während wir für das größere Luxus-Doppelzimmer (300 RMB) optierten. Nachdem keines dieser Zimmer verfügbar war, gab es sogar ein kostenloses Upgrade auf die Honey Moon Suite – mit japanischen High-Tech-Matratzen als Highlight.

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Erstellt am Dienstag 20. Oktober 2009
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Huang Shan (Anhui): Hinauf auf den „Gelben Berg“

Shangxings Mutter hatte für uns noch zwei Tickets ergattert – allerdings für die Kategorie „hard sleeper“ (120 RMB). Die Spannung war entsprechend groß und schnell zeigten sich die Unterschiede: drei Betten übereinander statt zwei, keine Abtrennung in Abteile und – wie es der Name vermuten ließ – Matratzen, die jede Erschütterung des Zuges an den Körper übertragen. Aber auch so ließ sich einigermaßen schlafen, schließlich hatten wir schon Schlimmeres durchgemacht.

Um 9 Uhr kamen wir in Tunxi (so heißt die Stadt richtig, der Zielbahnhof nennt sich jedoch „Huang Shan“) an und machten uns direkt ins „Old Street Hotel“ [???] auf, wo bereits am Vorabend Joyce und Yvonne – gute Freundinnen von Chen Nee aus Singapur – eingecheckt hatten und auf uns warteten. Nach herzlicher Begrüßung machten wir uns auf die Suche nach einem Frühstück, um die Planung für den Tag zu besprechen. Wir entschieden uns für Bao Zi, aber irgendwie vergaßen wir vor lauter Erzählen über die Planung zu sprechen. Also im Hotel nach mal über einer Kanne Tee Nägel mit Köpfen gemacht, ein Taxi nach Tangkou (70 min, 150 RMB) organisiert und das Gepäck im Hotel deponiert.

In Tangkou angekommen, mit dem Taxi (50 RMB) weiter zur „???“-Seilbahn (80 RMB) – nicht ohne zuvor noch 230 RMB (Studenten 115 RMB) für den Eintritt in das Gebiet des „Gelben Berges“ [Huang Shan] bezahlt zu haben. Die Chinesen lassen sich ihre Naturschönheiten wirklich teuer bezahlen.

Das Berggebiet ist allerdings jeden Yuan wert, im Gegensatz zum Tai Shan gibt es hier mehr zu sehen als nur Stufen und Bäume: die schroffen Felsen mit ihren skurrilen Formationen (z.B. „Der Affe, der über das Meer blickt“) ergeben eine beeindruckende Landschaft. Nachdem wir den (leider bewölkten) Sonnenuntergng auf dem „Purpurnes Tal Gipfel“ [???] verfolgt hatten, kamen wir nach einigen Metern auch schon an unserem Ziel für die Nacht an, dem Paiyun Lou. Joyce hatte im Vorfeld telefonisch zwei Räume für uns reserviert – doch die Dame an der Rezeption wollte plötzlich davon nichts wissen: ausgebucht, nur noch „Luxuszimmer“ für 1450 RMB verfügbar. Über dunkle Kanäle kamen wir schließlich für 1200 RMB an solch ein Zimmer (wie alles auf dem Gipfel total überteuert) und haben es eben zu viert belegt – immer noch günstiger als zwei Doppelzimmer im benachbarten Hotel. Nachdem wir uns nacheinander ins Zimmer geschlichen hatten und der gröbste Ärger über das Personal verflogen war, ging’s mangels Alternativen ins Hotelrestaurant. Wir hatten dort die gesamte Etage für uns (wie wir später feststellen sollten, gab es nämlich doch eine Alternative), während sich einen Stock tiefer die Reisegruppen am Buffet labten. Das Essen war dann aber überraschend gut, auch wenn an der „Bierente mit Pinienkernen“ kaum Fleisch war. Danach ging’s auf direktem Weg in die Heia, schließlich wollten wir am nächsten Morgen einen zweiten Anlauf in Sachen „Sonnenaufgang“ nehmen.

Fotos des Tages:

Erstellt am Montag 19. Oktober 2009
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