Zhenjiang (Jiangsu): Angeln für Anfänger

Um 9 Uhr wollte uns Shangxing zum Frühstück abholen, also hieß es frühzeitig aufstehen und packen. Nach einer Nudelsuppe (aus frischen Nudeln, ebenfalls eine regionale Spezialität) stießen auch die Eltern von Shangxing dazu und gemeinsam ging es an einen künstlich angelegten See in der Nähe, der den Einheimischen als Fischrevier dient. Die Fischdichte gleicht dabei eher einem Aquarium, so dass man auch als Anfänger schnell Erfolge erzielt. Mit Shangxing vier, Chen Nee drei und mir immerhin einem Fisch (etwas wählerisch waren die Dinger wohl doch, an welchem Haken sie sich aus dem Wasser ziehen ließen) hatten wir nach rund zwei Stunden genug Ausbeute, um zum zweiten Teil überzugehen: dem Verspeisen unseres Fangs. Nach unseren Wünschen wurden die Fische zubereitet und zusammen mit Gans (ebenfalls von der „Farm“) und den üblichen Beilagen aufgetischt.

Danach war erstmal Siesta angesagt. Shangxings Mutter hatte sogar extra für uns das frühere Kinderzimmer hergerichtet und nach und nach gingen alle zum Mittagsschlaf über. Frisch ausgeruht ging’s danach quer durch die Nachbarschaft auf der Suche nach einem Pyjama für Chen Nee, während der Vater die Besorgungen für’s Abendessen erledigte. Als wir dann wieder das Haus der Mutter erreicht hatten, war er – seines Zeichens früher Koch – bereits in seinem Element und briet gerade einige „Löwenköpfe“ (sein Spezialgericht, eine Art Fleischbällchen) in heißem Fett aus.

Als auch dieses Mahl verputzt war – so langsam konnte ich nicht mehr, ich sehnte mich fast nach einer Pause vom Essen – war es auch schon Zeit zum Aufbruch. Shangxings Vater fuhr seine Tochter erst in ihr Studentenwohnheim in Yangzhou (auf der gegenüber liegenden Seite des Yangtze) und setzte uns auf dem Rückweg am Bahnhof ab – um 0:22 Uhr sollte unser Nachtzug nach Huang Shan gehen.

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Erstellt am Sonntag 18. Oktober 2009
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Suzhou (Jiangsu): Die Seidenraupe ruft

Morgens stand erstmal der „Garten der tiefen Besinnung“ [Tuisi Yuan] auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin deckten wir uns noch mit einer regionalen Keks-Spezialität ein, deren Name „Sockensohlenkeks“ [Wa Di Su] glücklicher Weise von der Form und nicht vom Geschmack herrührt. In einem der vielen Keramikläden erspähten wir ein Teeset, das uns bereits am Vortag angelächelt hatte. Nach kurzer Abwägung, ob wir uns wirklich die nächsten eineinhalb Wochen damit belasten wollen, und dem obligatorischen Gefeilsche wurden wir uns einig (110 RMB, inkl. einem Holztablett).

Der Garten selbst war dann reichlich unspektakulär (Eintritt im Dorf-Ticket enthalten), so dass wir uns kurze Zeit später bereits im Bus zurück nach Suzhou befanden. Dort angekommen besorgten wir uns Zugtickets für den Nachmittagszug nach Zhenjiang (unglaublich, welch lange Schlangen es trotz der rund 30 Schalter gab) – leider gab’s nur noch Stehplätze, die allerdings das Gleiche kosten wie ein Sitzplatz. Das Gepäck deponierten wir direkt am Bahnhof (5 RMB/St.) und machten uns zu Fuß Richtung Seidenmuseum auf. Suzhou war in vergangenen Jahrhunderten eines der bedeutensten Seidenzentren und kann auf eine Geschichte von mehreren Tausend Jahren zurück blicken. Das Museum (15 RMB) war dann eher etwas für Liebhaber, einzig die lebenden Seidenraupen in den verschiedenen Entwicklungsphasen und der Webstuhl, mit dem mehrere Dutzend Kokons (=Fäden) gleichzeitig verarbeitet werden konnten, weckten mein Interesse.

Da sich das Museum direkt neben der Beisi Pagode befand, stattete ich dieser – mit 45 Metern immerhin die größte Pagode südlich des Yangtze – einen kurzen Besuch ab (25 RMB) und genoss den Rundblick über Suzhou. Sehr beschaulich war auch der kleine Klostergarten hinter der Pagode, über dem ein süßlicher Blütenduft hing.

Danach ging’s zurück zum Bahnhof, wo ich mir ein „Double Zinger Menüs“ bei KFC einverleibte (Chen Nee, kein Interesse an der Pagode, hatte sich schon was „Einheimisches“ zum Mittagessen gegönnt) – der Geschmack weckte Erinnerungen an meine Zeit in Singapur.

Nach gut eineinhalb Stunden Fahrt kamen wir um 18 Uhr in Zhenjiang an, wo Chen Nees ehemalige Austauschschülerin Shangxing uns schon am Bahnhof erwartete. Nach kurzer Begrüßung ging’s mit dem Taxi direkt in ein Restaurant im Stadtzentrum, in dem Shangxings Mutter im kleinen Kreis ihren (47.) Geburtstag feierte – für derartige Zwecke bieten viele Restaurants Privaträume an, mit nur einem Tisch und eigener Bedienung. Shangxings Mutter sowie die Eltern und ein Freund waren schon da, mit uns drei war der Tisch auch schon komplett.

Nach einem kurzen „Ni hao“ war das Eis gebrochen und nach und nach wurden die Speisen aufgetischt: alles Spezialitäten aus Zhenjiang, wie zum Beispiel „Sülze“ [xiao rou] mit Essig, Hühnchen mit Chilisoße, „Tintenfisch“ (der sich später als – durchaus leckere – Schweineniere entpuppte), Fisch süß-sauer („das essen die Langnasen gerne“) und und und … viel zu viel für uns sieben. Im Anschluss gab es noch einen Grüntee-Kuchen und Wassermelone, dann brachte aber auch wirklich niemand mehr einen Bissen runter.

Mittlerweile hatte Shangxings Familie telefonisch ein Zimmer im „Nanmen Hotel“ für uns organisiert (gar nicht so einfach in einer Stadt, die kaum von touristischem Interesse ist), das sich als ausgewachsene Suite in einem eher einfachen Pension entpuppte, direkt am Ende des Nachtmarktes gelegen. Das Personal hatte es wohl noch nie mit ausländischen Gästen zu tun gehabt, entsprechend langwierig gestaltete sich der Checkin. Nachdem wir das Gepäck abgestellt hatten, ging es noch auf einen Verdauungs-Spaziergang entlang des Yangtze (die Einheimischen nennen ihn aus unerfindlichen Gründen „Chang Jiang“, was mich auch nach Tagen noch verwirrte) und anschließend fielen wir in einer der Betten in unserer Suite.

Fotos des Tages:

Erstellt am Samstag 17. Oktober 2009
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