Suzhou (Jiangsu): Die Seidenraupe ruft
Morgens stand erstmal der „Garten der tiefen Besinnung“ [Tuisi Yuan] auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin deckten wir uns noch mit einer regionalen Keks-Spezialität ein, deren Name „Sockensohlenkeks“ [Wa Di Su] glücklicher Weise von der Form und nicht vom Geschmack herrührt. In einem der vielen Keramikläden erspähten wir ein Teeset, das uns bereits am Vortag angelächelt hatte. Nach kurzer Abwägung, ob wir uns wirklich die nächsten eineinhalb Wochen damit belasten wollen, und dem obligatorischen Gefeilsche wurden wir uns einig (110 RMB, inkl. einem Holztablett).
Der Garten selbst war dann reichlich unspektakulär (Eintritt im Dorf-Ticket enthalten), so dass wir uns kurze Zeit später bereits im Bus zurück nach Suzhou befanden. Dort angekommen besorgten wir uns Zugtickets für den Nachmittagszug nach Zhenjiang (unglaublich, welch lange Schlangen es trotz der rund 30 Schalter gab) – leider gab’s nur noch Stehplätze, die allerdings das Gleiche kosten wie ein Sitzplatz. Das Gepäck deponierten wir direkt am Bahnhof (5 RMB/St.) und machten uns zu Fuß Richtung Seidenmuseum auf. Suzhou war in vergangenen Jahrhunderten eines der bedeutensten Seidenzentren und kann auf eine Geschichte von mehreren Tausend Jahren zurück blicken. Das Museum (15 RMB) war dann eher etwas für Liebhaber, einzig die lebenden Seidenraupen in den verschiedenen Entwicklungsphasen und der Webstuhl, mit dem mehrere Dutzend Kokons (=Fäden) gleichzeitig verarbeitet werden konnten, weckten mein Interesse.
Da sich das Museum direkt neben der Beisi Pagode befand, stattete ich dieser – mit 45 Metern immerhin die größte Pagode südlich des Yangtze – einen kurzen Besuch ab (25 RMB) und genoss den Rundblick über Suzhou. Sehr beschaulich war auch der kleine Klostergarten hinter der Pagode, über dem ein süßlicher Blütenduft hing.
Danach ging’s zurück zum Bahnhof, wo ich mir ein „Double Zinger Menüs“ bei KFC einverleibte (Chen Nee, kein Interesse an der Pagode, hatte sich schon was „Einheimisches“ zum Mittagessen gegönnt) – der Geschmack weckte Erinnerungen an meine Zeit in Singapur.
Nach gut eineinhalb Stunden Fahrt kamen wir um 18 Uhr in Zhenjiang an, wo Chen Nees ehemalige Austauschschülerin Shangxing uns schon am Bahnhof erwartete. Nach kurzer Begrüßung ging’s mit dem Taxi direkt in ein Restaurant im Stadtzentrum, in dem Shangxings Mutter im kleinen Kreis ihren (47.) Geburtstag feierte – für derartige Zwecke bieten viele Restaurants Privaträume an, mit nur einem Tisch und eigener Bedienung. Shangxings Mutter sowie die Eltern und ein Freund waren schon da, mit uns drei war der Tisch auch schon komplett.
Nach einem kurzen „Ni hao“ war das Eis gebrochen und nach und nach wurden die Speisen aufgetischt: alles Spezialitäten aus Zhenjiang, wie zum Beispiel „Sülze“ [xiao rou] mit Essig, Hühnchen mit Chilisoße, „Tintenfisch“ (der sich später als – durchaus leckere – Schweineniere entpuppte), Fisch süß-sauer („das essen die Langnasen gerne“) und und und … viel zu viel für uns sieben. Im Anschluss gab es noch einen Grüntee-Kuchen und Wassermelone, dann brachte aber auch wirklich niemand mehr einen Bissen runter.
Mittlerweile hatte Shangxings Familie telefonisch ein Zimmer im „Nanmen Hotel“ für uns organisiert (gar nicht so einfach in einer Stadt, die kaum von touristischem Interesse ist), das sich als ausgewachsene Suite in einem eher einfachen Pension entpuppte, direkt am Ende des Nachtmarktes gelegen. Das Personal hatte es wohl noch nie mit ausländischen Gästen zu tun gehabt, entsprechend langwierig gestaltete sich der Checkin. Nachdem wir das Gepäck abgestellt hatten, ging es noch auf einen Verdauungs-Spaziergang entlang des Yangtze (die Einheimischen nennen ihn aus unerfindlichen Gründen „Chang Jiang“, was mich auch nach Tagen noch verwirrte) und anschließend fielen wir in einer der Betten in unserer Suite.
Fotos des Tages:
- “Garten der tiefen Besinnung” (Tuisi Yuan) in Tongli
- „Sockensohlenkeks“ (Wa Di Su) zum Frühstück
- Die Entwicklungsstadien des Seidenspinners: Raupe …
- … Kokon …
- … und fertiger Schmetterling.
- Einfacher “Webstuhl” mit den Kokons des Seidenspinners
- Fortschrittlicheres Modell
- Beisi -Pagode in Suzhou
- Blick über Suzhou
- Geburtstagsfeier von Shangxings Mama
- Shangxings Oma
- Ufer des Yangtze in Zhenjiang
- “Wunsch-Lampions”
- Unsere Suite im Nanmen Hotel (Zhenjiang): Schlafzimmer, …
- … Wohnzimmer (mit Schlafcouch) …
- … und Bad
Erstellt am Samstag 17. Oktober 2009
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