Qufu (Shandong): Konfuzius sagt …

Einmal nur einen Wecker gestellt und schon „verschlafen“: erst um 8 Uhr sind wir aus dem Bett gekrochen – da hieß es etwas auf die Tube zu drücken. Heute sollte Konfuzius pur auf dem Programm stehen – oder „san kong“, wie es hier heißt: Konfuzius-Tempel, Konfuzius-Anwesen und der Konfuzius-Wald mit dem Grabmal von – genau – Konfuzius.

Das All-Inclusive-Ticket gekauft (150 RMB, Student 75 RMB) und mit dem Tempel begonnen, von dem Konfuzius selbst seine philosophischen und moralischen Vorstellungen predigte und der danach kontinuierlich ausgebaut wurde. Durchaus sehenswert.

Da der eigentlich geplante 16:30-Uhr-Bus wohl zusammen mit der Busstation der Modernisierung zum Opfer fiel, kümmerten wir uns anschließend erst einmal um eine Transportmöglichkeit nach Qingdao. Nach einigem Rumfragen landeten wir etwas südlich der Stadtmauern bei einer Agentur, die uns Zugtickets für die Nacht – und zwar „soft sleeper“ – beschaffen konnte. Problem gelöst, einige Bao Zi der Kategorie „für den Hohlen Zahn“ besorgt und auf dem Hotelzimmer gemütlich verspeist. Ausgecheckt, Gepäck gleich dort gelassen und weiter mit Kong Fu, dem Anwesen Konfuzius‘ – oder besser: seiner Nachfahren, die vom Ruhm und Ansehen ihres Urahnen deutlich mehr profitiert haben als er selbst. Am schönsten war eigentlich der Garten hinter dem Anwesen, der  – wenn man ein ruhiges Fleckchen sucht – der ideale Platz zum Entspannen ist.

Zu Fuß ging’s dann direkt weiter zum (sehr übersichtlichen) „Gelehrten-Museum“, das einem die Gelehrten-Kultur der Vergangenheit und ihre Bedeutung für die Gegenwart vermitteln soll, und gleich anschließend zur letzten Etappe im Leben Konfuzius‘: dem rund 1,5 Kilometer nördlich gelegenen Wald, der gleichzeitig als Friedhof für die Anhänger Konfuzius‘  dient. Neben dem Meister selbst finden sich dort unzählige andere Grabhügel zwischen den unterschiedlichsten Bäumen – eine Oase der Ruhe, dazu noch mit guter Luft. Eine Kombination, die in Qufu eine echte Seltenheit ist: die Luft war hier so schlecht, dass man kaum die Tageszeiten unterschieden konnte – egal ob 8 Uhr oder 18 Uhr, das Licht hatte immer die gleiche, neblige Beschaffenheit.

Mit dem Mofa-Rikscha zurück ins Stadtzentrum, im nahen Internetcafe (auch hier wird Counterstrike gespielt) eMails gecheckt und ein Hotelzimmer für den nächsten Tag organisiert und dann wieder unsere Fressmeile aufgesucht. Nachdem wir uns bei den Spießen nicht sicher waren, ob auf dem Schild ein Lamm oder ein Hund abgebildet war, entchieden wir uns erst für eine Wan-Tan-Suppe (lecker) und dann – bei einem anderen Stand – für die Kalten Nudeln. Dazu gab’s jeweils eine lokale Biersorte (namens „san kong“, wie sonst).

Zurück zum Hotel und noch 2 Stunden gewartet, bis es dann gegen 23 Uhr mit dem Taxi Richtung Yangzhou Bahnhof ging (den Bau eines eigenen Bahnhofs für Qufu hatte die Kong-Familie erfolgreich verhindert), wo um 1 Uhr unser Zug losfahren sollte. Die Taxifahrt dahin war noch mal relativ abenteuerlich, mit einem Fahrer, der hinten sein Lao Po spazieren fuhr und sich erst von einem Kollegen die Mautplakette ausleihen musste.

Fotos des Tages:

Erstellt am Dienstag 13. Oktober 2009
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Qufu (Shandong): Weiter Richtung Süden

Wenn man eine Nacht auf dem Tai Shan verbringt, gehört früh aufzustehen sozusagen zum Pflichtprogramm – schließlich gehört der Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu den Highlights. Um 5 Uhr weckte das Hotelpersonal alle Gäste, wer wollte konnte noch eine ausrangierte Armee-Jacke gegen die Kälte ausleihen. Anschließend pilgerte eine weitgehend grüne Karawane rund 20 Minuten zum besten Aussichtspunkt und brachte sich in Position. Kamera aufgebaut, gewartet, die Dämmerung kam, weiter gewartet, es ward hell – aber von Sonne keine Spur, zu bewölkt war es an diesem Tag.

Etwas enttäuscht ging’s zurück ins Zimmer, Sachen packen und schnell die Flucht ergriffen, bevor das Personal die Sauerei entdeckte, die wir hinterlassen hatten. Mit der auf der gegenüber liegenden Seite des Gipfels gelegenen Seilbahn ging’s den Berg hinunter zur Pfirsichblütenpark (80 RMB), dem wir jedoch keinerlei Beachtung schenkten, sondern den Touristenbus (30 RMB) nach Tao Hua Yu und gleich im Anschluss Bus Nr. 16 (2 RMB) zurück zum Bahnhof nahmen, um unser deponiertes Gepäck abzuholen. Zuvor erkundeten wir allerdings noch die Gassen und Märkte von Tai’an und wechselten noch etwas Geld. Als wir bei einem McDonald’s vorbeikamen, konnte ich nicht widerstehen und genehmigte mir eine Art Schoko-Frühlingsrolle und einen Kaffee – der erhoffte „Ahh“-Effekt blieb jedoch aus, anscheinend reicht eine Woche chinesische Kost nicht um Entzugserscheinungen  zu verursachen.

Wieder voll beladen ging es um 14 Uhr direkt am Bahnhof in den Bus nach Qufu, Geburtsort von Konfuzius und noch heute Pilgerort für seine Anhänger. Als wir dort rund eine Stunde später ankamen, mussten wir erst einmal feststellen, dass die Busstation – eigentlich direkt südlich vom Stadtzentrum gelegen – geschlossen und durch eine neue, rund fünf Kilometer weiter südlich gelegene ersetzt wurde. So ganz wollten wir dem Taxifahrer die Geschichte erst nicht glauben, als er uns für 10 RMB seine Dienste anbot – aber spätestens als er uns die ausrangierte Haltestelle beim Vorbeifahren zeigt, waren wir überzeugt.

Im Zentrum waren wir, nur ein Hotel hatten wir diesmal noch nicht im Vorfeld reserviert: mal schauen, was für Schnäppchen man vor Ort erzielen kann. Die Empfehlung des Fahrers hätten wir für 200 RMB, ein benachbartes Hostel sogar für 100 RMB (inkl. Internet-PC im Zimmer!) bekommen, schlussendlich entschieden wir uns dann doch für das einzige „4-Sterne-Hotel“ vor Ort (400 RMB, nach einigem Gefeilsche, ohne Frühstück), dem Queli Hotel. Da es für’s Sightseeing zu spät, für’s Essen zu früh war, nahm sich Chen Nee der Dreckwäsche an, während ich mich durch die Chinesischen Fernsehprogramme zappte – danke dafür :). Gegen 19 Uhr ging’s dann aber wieder weiter, schließlich wollten wir ja auch was von Qufu sehen: ein Jian Ping von der Straße als Grundlage, dann etwas gebummelt und anschließend in der (einzigen?) Fressmeile gelandet. Links und rechts priesen die Verkäufer die unterschiedlichsten Gerichte an – von Tintenfisch am Spieß bis zu Kalten Nudeln. Wir entschieden uns für eine Tofu-Kohl-Enten-Suppe und einigen „Platt-Sprossen“, was sich leider als die falsche Wahl entpuppte: weder das eine noch das andere schmeckte wirklich, wobei es die Sprossen schafften so zu schmecken wie Pflaster riechen.

Wir wanderten anschließend noch etwas umher, kamen dabei wohl auch am Rotlichtvierel von Qufu vorbei und kehrten dann in unser Hotel zurück. Heiß geduscht und diesmal es sollte es an Chen Nee sein, den Schlaf der Gerechten zu schlafen. Zuvor fragte eine nette Dame aber noch am Telefon an, ob wir nicht Interesse an einer „Massage“ hätten. Hierzulande anscheinend nichts Ungewöhnliches, denn auch unser Lonely Planet weiß davon zu berichten, allerdings über Anrufe zu deutlich unchristlicheren Zeiten.

Fotos des Tages:

Erstellt am Montag 12. Oktober 2009
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