Beijing: Zurück nach Hause

Nachdem wir direkt neben unserem Hotel bei „Langosch“, „Plattfrittiertem“ und warmer Sojabohnenmilch noch einmal das chinesische Frühstück genossen haben, hieß es auch schon Abschied nehmen. Während die beiden Mädels mit dem Zug Richtung Chinesische Mauer wollten, nahmen wir das Taxi nach Dongzhimen, um mit dem Airport Express an den Flughafen zu kommen. Wie bei der Anreise ging’s dann ereignislos über Helsinki, Frankfurt und Mannheim zurück ins beschauliche Schwetzingen, wo wir gegen 20 Uhr zwar erschöpft, aber auch gebräunt und glücklich ankamen. Es war ein toller Urlaub!

Fotos des Tages:

Erstellt am Montag 26. Oktober 2009
Unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Beijing: Shopping und Essen – The Singaporean Way of Life

Der Nachtzug war tatsächlich ein Hotelzimmer auf Rädern, so dass wir erst um 7 Uhr von der dezent einsetzenden Musik wach wurden. Eine Dreiviertelstunde später kamen wir auch schon planmäßig in Beijing an und nahmen uns gleich ein Taxi zum Xiao Yuan Hotel – relativ neu und in einem Innenhof des Li Shi Hutongs gelegen. Dort stießen wir wieder mit Joyce und Yvonne zusammen. Die beiden hatten schon ein Zimmer für uns organisiert, das wir direkt beziehen konnten.

Nachdem wir uns geduscht und umgezogen hatten, machten wir uns erst einmal in Sachen Shopping auf, wobei die Wufujian Road und das an deren Ende gelegene Oriential Plaza mit all seinen Designer- und Schmuckboutiquen nicht wirklich das war, was wir suchten. Anschließend wollten wir uns dann zu viert die ehemalige Bunkeranlage Beijings („Underground City“) anschauen, die allerdings wegen Renovierung geschlossen war. Wir nutzten die Gelegenheit jedoch, das ausstehende Shopping im nahe gelegenen Supermarkt nachzuholen, wo ich endlich eine schöne „Teeflasche“ fand (140 RMB) – ein Utensil, das beinahe jeder Chinese auf Reisen und bei der Arbeit dabei hat und gerade bei Flugreisen eine praktische Angelegenheit ist. Dann noch einige DVDs gekauft (15 RMB/St.), die zumindest von außen wie Original aussahen, und während sich die Mädels in der riesigen Wufujian Book City austobten, fuhr ich zum Relaxen ins Hotel zurück und probierte dort gleich stolz meine Teeflasche aus. Anschließend gingen wir zum kulinarischen Teil über und nahmen ein Taxi zum „???“.

Für unser letztes gemeinsames Abendessen hatte ich mir nämlich eine besondere Art „Hotpot“ gewünscht, bei dem die Suppe (bzw. anfangs das Wasser) in einem speziellen, von glühenden Kohlestücken beheizten Messingtopf am Köcheln gehalten wird. In diesen Sud werden dann die nach Gusto bestellten Zutaten entweder hineingeworfen oder – insbesondere das in hauchdünne Scheiben geschnittene Lammfleisch – nur kurz hindurch gezogen (daher rührt auch der chinesische Name für dieses Gericht: „zhua yang rou“. Anschließend wird das Ganze noch in diverse Dips getunkt (von Erdnuss bis Knobi) – sehr lecker und macht in der richtigen Runde einen Riesenspaß.

Danach hatte Joyce sich ein kleines Programm überlegt – Singapore Style natürlich. Erst sind wir ins Raffles Beijing Hotel gefahren, um in der „Writer’s Bar“ bei einem Singapore Sling (ich entschied mich für den Beijing Sling) heimatliche Gefühle aufkommen zu lassen, um anschließend die Nacht beim Fleischspieß mitten in unserem Hutong ausklingen zu lassen. Wie ein Stein fielen wir gegen 1 Uhr ins Bett, hieß es am nächsten Tag – welch Überraschung  – früh aufstehen.

Fotos des Tages:

Erstellt am Sonntag 25. Oktober 2009
Unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Datong (Shanxi): Irgendwie in die richtige Richtung

Um 8 Uhr gut erholt aufgewacht und mit dem einen im Preis enthaltenen Hotelgutschein gleich runter ins Restaurant, um das Frühstücksbuffet zu testen. Das – rein chinesische – Buffet war in Ordnung, aber nicht der Hit: insbesondere die Bao Zi waren doch sehr zäh.

Danach wollten wir eigentlich mit dem Taxi zum „Oberen Huyuan Tempel“ (Kommentar des Fahrers: „Der ist wegen Umbauarbeiten geschlossen!“), alternativ zur 9-Drachen-Wand (Auch dieses Wunschziel wurde kommentiert: „Da gibt’s doch nichts zu sehen, geht lieber zum Shanhua Tempel!“). So ganz koscher war mir der Fahrer jetzt nicht mehr und da wir gerade in der Huayansi Jie waren – laut Lonely Planet für ihre Teehäuser bekannt – baten wir den Fahrer uns genau hier raus zu lassen.

Die Straße war dann aber doch wieder nur Kommerz. Wir also zu Fuß weiter zu dem empfohlenen Tempel (unser ursprüngliches Ziel glich tatsächlich einer großen Baustelle), nach kurzer Zeit begleitet von einem gemütlichen Opa, der uns querfeldein zu dem Tempel führte. Der Shanhua Tempel selbst (20 RMB) fällt in die Kategorie „klein aber fein“, denn es gibt nur eine Vorhalle und zwei Haupthallen zu besichtigen. Abseits vom Trubel strahlte der Platz vor allem eine angenehme Ruhe aus.

Da Chen Nee ja noch nichts gefrühstückt hatte, machten wir uns auf die Suche nach der obligatorischen Seitengasse – vorbei an dem ersten Hundelokal, das uns aufgefallen ist. Wir wurden schließlich fündig und Chen Nee wählte eine Bohnensuppe ohne erkennbare Bohnen, dafür mit Tofu und Ei – sie war happy.

Danach weiter Richtung 9-Drachen-Wand, und auch hier sollte sich die Einschätzung des Taxifahrers bewahrheiten: fünf Minuten später und um 10 RMB  erleichtert, waren wir wieder draußen. Mittlerweile war es 11:30 Uhr und damit höchste Zeit zurück zum Hotel zu kommen und auszuchecken. Pünktlich zur Mittagszeit war das geschafft und nun war es für meinen Magen an der Zeit, wieder Nachschub zu bekommen. Die Suche im Bahnhofsviertel führte uns diesmal zu „Original Hangzhou Bao Zi“ – wie fast immer vor unseren Augen frisch zubereitet. Die zahlreichen Fliegen an der Wand bereiteten mir zunächst einige Sorgen, doch auch hier spielte mein Magen klaglos mit (Nachträglich ein großes Lob an ihn und seine Organ-Kollegen!)

Ab an den Bahnhof und um 13:40 Uhr in den Zug zurück nch Beijing gestiegen. Das Bier zum Lunch zeigte seine Wirkung, denn die ersten zwei Stunden war erst einmal Siesta angesagt. Danach ein bisschen Lesen und Schreiben und schon waren wir an unserem (Zwischen-)Ziel angekommen. Jetzt hieß es hoffen, schließlich wollten wir ja eigentlich nah Ji’nan. Und tatsächlich: für den Zug um 23 Uhr gabe es noch zwei (Steh-)Plätze. Besser als nichts, also gleich gebucht (73 RMB, K41, 6:30h) – schließlich ist man ja irgendwie doch Backpacker.

Die Zeit bis zur Abfahrt erkundeten wir die Bahnhofsumgebung und probierten japanisches Fast Food bei „Yoshinoya“ – genauso teuer wie eine ganze Mahlzeit im Hutong, aber zumindest sättigend. Um 22:30 Uhr dann ins Abenteuer Stehplatz gestürzt: die erste Stunde tatsächlich stehend, dann Sitzplatzhopping, wo gerade was frei war. Nicht gerade das, was man bis 05:30 Uhr machen möchte.

Fotos des Tages:

Erstellt am Freitag 9. Oktober 2009
Unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Beijing: Peking at its best

Heute wollten wir einen zweiten Anlauf zur Verbotenen Stadt starten: um sieben Uhr raus, mit dem Taxi direkt zum Nordeingang und 45 Minuten vor Einlass am Ticketschalter gestanden während Chen Nee sich auf die Suche nach einem Frühstück gemacht hat. So früh hätten wir gar nicht da sein müssen, denn der Andrang hielt sich in Grenzen. Tickets und Audioguide (60+40 RMB, zzgl. 100 RMB Kaution) gekauft und Punkt 8:30 Uhr rein.

Im Nachhinein bin ich froh gewesen, nicht den Haupteingang über Tian’anmen genommen zu haben: die Kulisse steigerte sich stetig vom beschaulichen Kaiserlichen Kartenm über die Vor- und Nebenhallen bis hin zur kolossalen „Halle der perfekten Harmonie“ und dem Vorplatz, auf dem bei wichtigen Anlässen der Hof dem Kaiser huldigte. Auf jeden Fall ein must-see, für das man mindestens einen halben Tag freihalten sollte.

Da Chen Nees morgendliche Suche erfolglos geblieben war, hatten wir mittlerweile genug Kohldampf, um einen letzten offenen Punkt in Angriff nehmen zu können: Pekingente. Vom Ostausgang also strammen Schrittes über die Flaniermeile Wangfujing Dajie zum „Qianjude Roast Duck Restaurant“, dessen Hauptfiliale in der Qianmen Dajie sich rühmt, der Geburtsort der Pekingente zu sein. Wir nahmen gleich das Entenmenü für zwei (380 RMB) bestehend aus leckerer Suppe mit Fischmagen, eingelegter Gurke, Ente mit 4 Schätzen (hinter derartigen „Schätzen“ verbirgt sich meistens mindestens eine Innerei – in diesem Fall der Muskelmagen) sowie Entenhaut mit Sojasoße und Frühlingszwiebeln im dünnen Pfannkuchen – deutlich zu viel für uns beide, obwohl wir gehörigen Appetit mitbrachten.

Der anschließend aufkommenden Bettschwere gaben wir keine Chance, sondern machten uns direkt auf die Suche nach einem Schneider. So verschlug es und schließlich ins Trendviertel Sanlitun, das bei Chen Nee starke Erinnerungen an Singapur weckte: Shopping Malls mit westlichen Marken, Clubs, Tapasbars – gerade die Dinge, wegen denen wir NICHT nach Beijing gekommen sind. Entsprechend hatte auch der Schneider fast westliche Preise und wir machten uns Richtung Hotel auf, um die restliche Zeit bis zu unserem Zug nach Datong mit Teehaus und Abendessen zu verbringen.

Ein Teehaus fanden mit dann leider keines, auch die anvisierten Dau Sa Bao in drei Varianten gab es leider nur kalt zu kaufen. Also ab ins nächste Hutong, kleines Abendessen (das Bier zu rekordverdächtigen 3 RMB) zu uns genommen und anschließend ins Hotel, um unser Gepäck zu holen und im provisorischen „Teeraum“ doch noch bei einem Becher Cha auszuruhen.

Gegen 23:30 Uhr nahmen wir dann ein Taxi zum Bahnhof Peking West. Einlass nur mit gültigem Ticket, Sicherheitskontrollen – alles Dinge, die man eher vom Flughafen kennt als von einem Bahnhof. Es gibt separate Warteräume für jedes Gleis und auch vor Betreten des Gleises muss man sich durch Vorzeigen des Tickets ausweisen – ein Abholen von Freunden ist also nur vorm Bahnhofsausgang möglich.

Nicht nur das Bahnhofsgebäude mit seinen großen Anzeigetafeln, sondern auch die Züge selbst machten einen wesentlich besseren Eindruck als ich es erwartet hatte. Wir hatten bei einer Agentur im Internet zwei Betten der besten Kategorie „Soft Sleeper“ gebucht (für 50 EUR bestellt und an die Hoteladresse liefern lassen, der Normalpreis liegt bei 150 RMB je Ticket) und während es sich Chen Nee im unteren Bett bequem machte und mit den beiden anderen, aus Datong stammenden Reisenden in unserer Kabine plauderte, krabbelte ich in die obere Koje. Dort war zwar weniger Plaz zu sitzen, aber dafür genügend Stauraum für mein Gepäck vorhanden.  Es war auch alles da, was man für einen angenehmen Schlaf braucht (weiche Matratze, warmes Bettzeug) – und dazu auch noch frisch gewaschen. So verwundert es nicht, dass ich schon eingeschlafen bin, bevor der Zug überhaupt losgefahren ist.

Fotos des Tages:

Erstellt am Mittwoch 7. Oktober 2009
Unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Beijing: Menschenmassen und Pekingoper

Wieder früh raus, diesmal weil wir an der Verbotenen Stadt sein wollten, wenn sich um 8:30 Uhr die Tore öffnen. Wieder kein Frühstück, diesmal weil das Hotel nur Brot anbietet.

Mit dem Bus (1 RMB) bis nach Xidan gefahren, dann zu Fuß weiter – leider in die falsche Richtung. Bis wir den Irrtum bemerkt und korrigiert hatten, war es auch schon reichlich spät. Außerdem gingen wir, je mehr wir uns dem Platz des Himmlischen Friedens näherten, in einem Mahlstrom von Menschen unter. Zum ersten Mal erlebten wir was es heißt, in der „Goldenen Woche“ Anfang Oktober unterwegs zu sein: die Sehenswürdigkeiten mit einer Millarde Chinese teilen zu müssen, die in dieser Woche traditionell Urlaub nehmen.

Vorbei am eiförmigen „National Grand Theatre“ (erinnert an Singapore’s „Esplanades“) und – als Kontrast dazu – dem reichlich beflaggten Nationalkongress erreichten wir schließlich den Tian’anmen-Platz. Die Größe des Platzes (immerhin die größte befestigte Fläche weltweit, die Raum für bis zu einer Million Menschen bietet) ließ sich nur schwer erahnen, da dort an diesem Tag die Wägen der Feiertagsparade ausgestellt wurden. Da wir weder Maos Mausoleum bewundern noch das eigentliche Tian’anmen (das Tor des Himmlischen Friedens, mit einem Großporträt Maos) besteigen wollten, verließen wir den Platz nach kurzer Zeit auf der Ostseite und orientierten und nach einer kurzen Stärkung mit Nudelsuppe und (miserablen) Baozi südlich in Richtung Qianmen Dajie mit der daran angrenzenden Dazhalong Jie – beide extremst touristisch und reichlich uninteressant – weiter zu unserem eigentlichem Ziel, dem Zhengyici Theater. Dort wollten wir Karten für die Pekingoper bestellen, doch leider war das Theater wegen Renovierung geschlossen.

Ein netter Riksha-Fahrer gab uns den Tipp, unser Glück in einem nahe gelegenen Theater zu versuchen. Also weiter durch die Hutongs, einen Blick in die „Antiquitätenstraße“ Liulichang geworfen (auch keinen Besuch wert), kamen wir endlich in der Huguang Guild Hall an – einem der vier legendären Opernhäuser Beijings, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1807 zurück reichen. Nachdem wir die Karten für die Abendsvorstellung „Heavenly Maid Scattering Flowers“ [tian nu san hua] (280 RMB) gekauft hatten, kehrten wir erst einmal im Jiguge Teehaus (Nr. 136 East Liulichang) ein: Bei Tee, Jiaozi und Da Sau Keksen könnten wir unseren Beinen eine Verschnaufpause.

Da wir bis zum Vorstellungsbeginn noch ein Stündchen Zeit hatten, erkundeten wir einige weitere Seitenstraßen und erreichten pünktlich zum Einlass wieder das Theater. Man sitzt dort an Sechsertischen und bekommt Tee, Erdnüsse und getrocknete Datteln als Knabbereien serviert. Das Ganze richtet sich wohl eher an Europäer, daher hielt sich der musikalische Teil deutlich im Hintergrund. Akrobatik und Kampfkunst dominierten dagegen die Vorstellung, so dass sich die Oper als überraschend kurzweilig entpuppte.

Nach dem Einleitungssketch „Crossroads“ – Clown versucht Reisenden in dessen (dunklem) Zimmer zu ermorden, um an dessen Schwert zu kommen – wurden zwei Szenen aus der titelgebenden Geschichte gespielt: erst eine tänzerische Vorstellung der Maid, dann die Stelle, an der sich versucht das magische Kraut vom Reh und Kranich zu stehlen, um Ihren todkranken Mann zu heilen (der die Tatsache, dass sie eigentlich ein Schlangendämon ist, nicht so gut aufgenommen hat wie erhofft). Hört sich seltsam an, ist es irgendwie auch. Auf die angebotenen Kopfhörer kann man jedenfalls getrost verzichten, da die wichtigsten Passagen „übertitelt“ sind.

Da wir den ganzen Tag noch nichts „Richtiges“ gegessen hatten, machten wir uns nach der Vorstellung in eines der Hutongs auf, die wir nachmittags durchstreift hatten, und genehmigten uns dort eine ordentliche Portion „Gong Bao Ji Ding“ (Hühnchen mit Gurke, Erdnüssen und einer feinen Note Szechuan-Pfeffer) sowie fein geschnittene Kartoffelstreifen. Danach ging’s dann schnell mit dem Taxi nach Hause, wir mussten am nächsten Tag schließlich wieder früh raus.

Fotos des Tages:

Videos des Tages:




Erstellt am Dienstag 6. Oktober 2009
Unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Simatai: Auf der Mauer entlang

Am Vortag hatten wir eine Tagestour zur Chinesischen Mauer (280 RMB) gebucht, die genau unsere Wunschroute abdeckte: statt des Tourimagneten Badaling hatten wir uns für den rund 120 km nördlich von Beijing gelegenen Abschnitt zwischen Jinshanling und Simatai entschieden. (Die Besonderheit dieses Teilstücks der Mauer ist es, dass sie über mehrere Kilometer hinweg begehbar ist.) Wir sollten um 6:25 Uhr abgeholt werden, von daher war frühes Aufstehen angesagt. Bis alle mit dem Minibus eingesammelt waren verging eine Stunde (es blieb aber genug Zeit für ein „jian bing“ – eine Art Crepe – zum Frühstück), dann wurden wir zusammen mit anderen Gruppen in einen Reisebus verladen. Anschließend ging’s los Richtung Jinshanling. Nachdem unserer Reiseführer Jackie („Wir sind alle ein großes Team und wer ist der Boss? Jackie!“) versucht hat, uns den geplanten Zeitablauf zu vermitteln („Mittagessen gibt’s um sieben Uhr, zurück in Beijing sind wir um drei Uhr“) , verlief der Rest der Hinfahrt relativ ereignislos. Gott sei Dank, denn dass der Fahrer kein Unfall gebaut hat, grenzt an ein Wunder: Sogar für chinesische Verhältnisse befand sich die Hupe im Hochbetrieb. Als Krönung kann man das Überholmanöver in einer nicht einsehbaren Linkskurve zu bezeichnen – auch dabei wurde der Gegenverkehr durch einen Dauerhupton zumindest vor uns gewarnt.

Verkehrsbedingt sind wir in Jinshanling gegen elf Uhr angekommen und vor die Wahl gestellt, die vier Stunden bis zum Mittagessen (Jackie hatte die Zahlen verdreht) mit der 13 km-, der 16km- oder der Ich-kürze-mit-der-Seilbahn-ab-Tour zu verbringen. Nachdem man alles Sehenswerte auch mit dem Lift erreichte, entschieden wir uns für diese Alternative (30 RMB) – eine gute Entscheidung, denn auch so sollte es zeitlich noch eng werden. Vor lauter Fotografieren und Bewundern kamen wir nicht so recht vom Fleck.

Dazu kamen noch die Einheimischen, die Ihre Souvenirs zu „Liebhaberpreisen“ an den Mann bringen wollten. Einer begleitete uns dann tatsächlich mehr als die Hälfte der Strecke (Jackie solten wir erst zum Lunch wieder treffen) und erklärte uns so einiges über die Mauer und sein eigenes Leben – wie viel davon erflunkert war, werden wir wohl nie erfahren. Souvenirs verkaufen wollte er am Ende natürlich trotzdem und auch unsere 50 RMB als Dank für seine Dienste stellten ihn nicht wirklich zufrieden. Als für die zweite Hälfte eine Kollegin übernehmen wollte, machte ich durch ein klares „no hope“ deutlich, dass unsere Geduld erschöpft war und wir uns nicht noch einmal auf einen „Begleiter“ einlassen wollten.

Die Mauer selbst muss man gesehen haben. Regelmäßig von Wachtürmchen unterbrochen und sich an die hügelige Landschaft anschmiegend, ist das mehrere Tausend Kilometer lange Bauwerk einfach beeindruckend. Und auch mit dem von uns gewählten Abschnitt hatten wir eine gute Wahl getroffen, denn trotz der Feiertagswoche war die Mauer bei weitem nicht so überlaufen wie befürchtet.

Erschöpft aber pünktlich kamen wir um 15 Uhr am „Great Wall Hotel“ an und bekamen dort zusammen mit den anderen ein einfaches, aber überraschend gutes Mittagessen. Danach ging’s zurück und gegen 20 Uhr wurden wir wieder in der Nähe unseres Hotels abgesetzt. Bevor es in die Heia ging, haben wir an einem Stand in einer kleinen Seitengasse einen Lammspieß probiert (deutlich besser als am Vortag, wenngleich immer noch überwürzt) und uns dann einen „Szechuan Hotpot“ mit Salat, Tofuhaut und Nudeln als Einlage bestellt – teuflisch gut, aber auch höllenscharf.

Fotos des Tages:

Erstellt am Montag 5. Oktober 2009
Unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Beijing: Erste traumatische Erfahrungen

Ich muss geschlafen haben wie ein Sack, denn als nächstes erinnere ich mich daran, dass gegen 07:00 (Beijing-Zeit, d.h. GMT+8) die Beleuchtung wieder angeschaltet und das Frühstück serviert wurde. Eigentlich hatte keiner von uns Hunger, so dass Chen Nee – wohl wissend, was für ein Frühstück Sie in Beijing an jeder Straßenecke erwartet – auch glatt verzichtete. Geschmacklich hat sie auch absolut nichts verpasst, denn wie schon am Abend zuvor war das Finnair-Essen eher mit „sättigend“ als mit „schmackhaft“ zu umschreiben.

Nachdem wir noch einige Zeit über eine beeindruckende Hügellanddschaft (vermutlich das Gebiet der Inneren Mongolei, rund um Hohhot) geflogen sind, begann auch schon der Landeanflug und kurz vor neun Uhr landeten wir planmäßig in Beijing. Zusätzlich zu dem normalen Einreiseformular mussten wir auch noch ein spezielles „Schweinegrippe“-Formular ausfüllen. Dabei wurde beispielsweise abgefragt, ob wir irgendwelche Symptome aufweisen und wo wir uns die letzten sieben Tage aufgehalten haben bzw. die nächsten sieben Tage aufhalten werden. Nach zwei  Temperaturkontrollen mit Infrarotkameras erreichten wir die Passabfertigung, wo sie uns mit unserem 30-Tage-Touristenvisum (welches wir bereits einige Wochen zuvor im Frankfurter Konsulat erhalten hatten) ohne Probleme einreisen ließen. Der Flughafen als solcher war topmodern, allerdings erstaunlich leer – und das, wo uns doch jeder vorgewarnt hatte, dass über die Feiertage – 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China und Mondfest in der gleichen Woche – die Hölle los sei. Mit einem kleinen Shuttlezug ging’s zur Gepäckausgabe (unsere Rucksäcke waren noch schneller da) und nach kurzer Orientierung anschließend zum Geldautomat. Chen Nee hatte im Vorfeld ein Konto bei der DKB eröffnet, die als besonderes Schmankerl kostenloses Geldabheben an allen VISA-Automaten weltweit anbieten – ein Angebot, das wir im Laufe der nächsten drei Wochen noch des Öfteren in Anspruch nehmen wollten.

Mit Bargeld ausgestattet hieß es nun ins Stadtzentrum zu kommen, um das Gepäck in unserem Hotel zu deponieren. Wir nahmen also den Airport Express Train (25 RMB – Umrechnungskurs ist ca. 1:10, d.h. 10 RMB = 1 EUR) bis zur Endstation Dongzhimen und danach direkt mit der U-Bahn-Linie 2 weiter bis Chegongzhuang (2 RMB). Das restliche „Stückchen“ zu unserem Hotel wollten wir zu Fuß zurücklegen – was sich dann aber doch als knapp einstündiger Marsch entpuppte. Im Nachhinein wäre die Station Xisi direkt neben unserem Hotel gewesen – aber die Linie 4 wurde erst zu den Olympischen Spielen gebaut und damit unserem treuen Begleiter Lonely Planet (10. Auflage, Sommer 2007) noch nicht bekannt. Anderseits haben wir so schon einige erste Eindrücke vom „alten“ Bejing bekommen.

Gegen 12 Uhr konnten wir dann endlich im Shuaifu Zhongtang Hotel einchecken (429 RMB), gebaut im Innenhof eines typischen Hutong-Hauses. Gepäck abgeladen und uns erst einmal auf die Suche nach was Essbarem gemacht. Die Wahl fiel auf das ??? ganz in der Nähe, wo Chen Nee einen Karpfen in Soja-Soße (???), eine Art Wirsing-Suppe mit Spare-Ribs (???) und etwas mit Knoblauch gebratenes Gemüse (???). Dazu ein Bier der örtlichen Yanjing-Brauerei, das in einer überraschend großen 0,6l-Flasche, dafür aber mit überraschend kleinen Gläsern (0,1l) serviert wurde. Der Fisch kam dann schon nach einer knappen Minute – kalt. Erinnerte mehr an eine überdimensionale Makrele und war nicht wirklich ein Renner.

Danach zur Bank und nach Ausfüllen von einigen Formularen (bei denen nicht nur ich, sondern auch der Bankangestellte seine Passnummer eintragen musste) bekam ich meine EUR in RMB gewechselt. Anschließend noch eine SIM-Karte für’s Handy gekauft (80 RMB, davon 50 RMB Guthaben), damit wir günstige Inlandsgespräche führen können, und dann gemütlich die Gegend erkundet – heute stand erst einmal die Akklimatisierung auf dem Programm.

Unser Weg führte uns zum Beihai Park, den unser Reiseführer als „Ort der Stille“ beschrieb – aber eher das Gegenteil war der Fall. Der Park wird dominiert vom namensgebenden „Nordsee“, der von den Chinesen vorzugsweise berudert wird, und der lamaistischen „Weißen Pagode“ [Bai Ta] – alles in allem kein must-see. Entschädigt wurden wie durch eine Fotosession mit zwei der überall präsenten Soldaten sowie einem (Wasser-)Kalligraphen, der seine vergängliche Kunst an den Zeichen „Ni hao de guo“ („Hallo Deutschland“) demonstrierte.

Verlässt man den Park in südlicher Richtung, befindet man sich bereits in unmittelbarer Nähe zur Verbotenen Stadt. Aufgrund der Feiertage wurden die Gebäude festlich angestrahlt, dazu hing der Vollmond tief am Himmel – eine Kombination, die nicht nur wir als schönes Fotomotiv erkannten: Stativ an Stativ reihten sich die Kameras, vom Nostalgiemodell bis zur Highend-DSLR.

Mit der Mofa-Rikscha ging’s zur bekanntesten Fressmeile der Stadt, dem Dong Hua Men Nachtmarkt, wo sich wie an einer Perlenkette mehrere Dutzend Straßenverkäufer aneinander reihen. Die meisten verkaufen etwas am Spieß, wobei dieses „etwas“ so ziemlich alles sein kann: Skorpion, Seidenraupe, Schlange – auch was keine vier Beine hat, wird also gnadenlos verspeist. Die Preise fallen in die Kategorie Wucher (5 RMB pro Spieß statt normalerweise 1 RMB), die Qualität ist mies (getränkt mit Fett) und last-but-least:  über dem Markt hängt ein Geruch, der einem den Magen umdreht. Chen Nee ordnete ihn „stinkendem Tofu“ [???] zu, aber für mich roch es eher nach ranzigem Frittierfett.

Nach zwei Kostproben verlagerten wir uns daher auf die andere Straßenseite in die „Hong Kong Food City“. Nach einem Bier, einigen Jiaozi und Dim Sum sowie „Jakobsmuscheln nach Szechuan-Art“ hatte ich mich wieder gefasst und wir machten uns mit dem Taxi auf in Richtung Hotel. Ab in die Kiste – traditionelle Holzbetten mit einer extrem dünnen Matratze  [Luo Han Chuang] -, aber trotzdem geschlafen wie ein Sack. Schließlich mussten wir am nächsten Tag früh raus …

Fotos des Tages:

And here for our english-speaking followers:

BEIJING: FIRST SHOCKS

I must have slept like a log, ‚cos the next thing I knew were the lights coming on around 07:00 (Beijing time, i.e. GMT+8) and they were serving breakfast. Actually none of us were hungry, so Chen Nee, knowing well what yummy things would be waiting in every alley of Beijing for her, gave her meal a pass. She didn’t miss much. The Finnair food, just as the night before, could be described as „filling“, rather than „tasty“.

After we had flown for some time over a very impressive mountainous terrain (probably inner Mongolia, around Hohhot),  the plane began to descend and we arrived in Beijing at 09:00. Besides the normal immigration form we had to fill in a special „swine flu form“. On it were questions like whether we had any symptoms and where we had been for the past 7 days and also where we would be in the next 7. After walking past 2 temperature controls with infrared cameras, we reached the passport control, where they let us enter with our 30-day visas (had got them a few weeks ago in the Frankfurt consulate ) without posing any problem.  The airport was modern, but surprisingly empty – that, when everyone had warned us beforehand of the holiday season (the 60th anniversary of the People’s Republic of China and the Autumn Festival in the same week), when the crowd was supposed to be omnipresent. A shuttle bus took us to the baggage claim (our rucksacks were even faster there) and after a short orientation we went to the ATM. Chen Nee had opened an account with the German  DKB that allows worldwide cash withdrawal at all VISA ATMs without charging any fee, something we would come to find very useful in the following three weeks.

Equipped with cash, we ventured into town centre to deposit our luggage. We took the airport express train (25 RMB, exchange rate was about 1 to 10, i.e. 10 RMB = 1 Euro) to the terminal station Dongzhimen, hopped directly into the subway line 2 and took it to Chegongzhuang (2 RMB). We wanted to walk the rest of the way to our hotel, thinking it should be a stone’s throw away – it turned out to be a march of almost an hour. Later we realised we should have alighted at the Xisi station, which was just next to our hotel, but since the subway line 4 was only built in 2008 for the Olympics, it was not listed on our trusty guide the Lonely Planet (10th edition, summer 2007). Then again, the march gave us our  first impressions of the “old” Beijing too.

Around noon we managed to check in finally at Shauifu Zhongtang Hotel (429 RMB), built in the courtyard of a typical Hutong. Left our luggage there and went in search for food. We picked the Huifeng (惠丰) restaurant nearby, where Chen Nee order a carp in soya sauce (酥鲤鱼), spareribs and iceberg lettuce soup (排骨雪菜汤), and some vegetable fried in garlic oil (炒油麦菜). To that a Yanjing beer from the region that came in a surprisingly large 0,6 L bottle to be drunk with a surprisingly tiny glass (0,1 L). The fish came after almost a minute – cold. Reminded us of a humongous mackerel and didn’t leave us longing for more.

Went to the bank afterwards, where I had to fill up forms after forms (on which not only me, but also the guy at the counter had to write down his passport nr.) before getting my Euro changed into RMB. After that we bought a SIM card for our mobile (80 RMB, but only a value of 50 RMB) to make cheap domestic calls, and began exploring. Today’s program: getting accustomed to the city.

The exploration  took us to the Beihai Park, described as the “quiet place” in our guide – but the opposite was true. The park was dominated by the “North Lake” (hence the name, Beihai), where the Chinese loved to row their boats on, and the Lamaistic “White Pagoda” (Bai Ta). In short, no must-see. The redemption came as a photo session with 2 of the omnipresent soldiers as well as a water-calligrapher, who demonstrated his evanescent art with the words “de guo ni hao” (“hello Germany”).

(to be cont’d…)

Erstellt am Sonntag 4. Oktober 2009
Unter: Allgemein | Keine Kommentare »

Admin | Reiseblog anlegen | Plane Deine eigene Weltreise