Ich muss geschlafen haben wie ein Sack, denn als nächstes erinnere ich mich daran, dass gegen 07:00 (Beijing-Zeit, d.h. GMT+8) die Beleuchtung wieder angeschaltet und das Frühstück serviert wurde. Eigentlich hatte keiner von uns Hunger, so dass Chen Nee – wohl wissend, was für ein Frühstück Sie in Beijing an jeder Straßenecke erwartet – auch glatt verzichtete. Geschmacklich hat sie auch absolut nichts verpasst, denn wie schon am Abend zuvor war das Finnair-Essen eher mit „sättigend“ als mit „schmackhaft“ zu umschreiben.
Nachdem wir noch einige Zeit über eine beeindruckende Hügellanddschaft (vermutlich das Gebiet der Inneren Mongolei, rund um Hohhot) geflogen sind, begann auch schon der Landeanflug und kurz vor neun Uhr landeten wir planmäßig in Beijing. Zusätzlich zu dem normalen Einreiseformular mussten wir auch noch ein spezielles „Schweinegrippe“-Formular ausfüllen. Dabei wurde beispielsweise abgefragt, ob wir irgendwelche Symptome aufweisen und wo wir uns die letzten sieben Tage aufgehalten haben bzw. die nächsten sieben Tage aufhalten werden. Nach zwei Temperaturkontrollen mit Infrarotkameras erreichten wir die Passabfertigung, wo sie uns mit unserem 30-Tage-Touristenvisum (welches wir bereits einige Wochen zuvor im Frankfurter Konsulat erhalten hatten) ohne Probleme einreisen ließen. Der Flughafen als solcher war topmodern, allerdings erstaunlich leer – und das, wo uns doch jeder vorgewarnt hatte, dass über die Feiertage – 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China und Mondfest in der gleichen Woche – die Hölle los sei. Mit einem kleinen Shuttlezug ging’s zur Gepäckausgabe (unsere Rucksäcke waren noch schneller da) und nach kurzer Orientierung anschließend zum Geldautomat. Chen Nee hatte im Vorfeld ein Konto bei der DKB eröffnet, die als besonderes Schmankerl kostenloses Geldabheben an allen VISA-Automaten weltweit anbieten – ein Angebot, das wir im Laufe der nächsten drei Wochen noch des Öfteren in Anspruch nehmen wollten.
Mit Bargeld ausgestattet hieß es nun ins Stadtzentrum zu kommen, um das Gepäck in unserem Hotel zu deponieren. Wir nahmen also den Airport Express Train (25 RMB – Umrechnungskurs ist ca. 1:10, d.h. 10 RMB = 1 EUR) bis zur Endstation Dongzhimen und danach direkt mit der U-Bahn-Linie 2 weiter bis Chegongzhuang (2 RMB). Das restliche „Stückchen“ zu unserem Hotel wollten wir zu Fuß zurücklegen – was sich dann aber doch als knapp einstündiger Marsch entpuppte. Im Nachhinein wäre die Station Xisi direkt neben unserem Hotel gewesen – aber die Linie 4 wurde erst zu den Olympischen Spielen gebaut und damit unserem treuen Begleiter Lonely Planet (10. Auflage, Sommer 2007) noch nicht bekannt. Anderseits haben wir so schon einige erste Eindrücke vom „alten“ Bejing bekommen.
Gegen 12 Uhr konnten wir dann endlich im Shuaifu Zhongtang Hotel einchecken (429 RMB), gebaut im Innenhof eines typischen Hutong-Hauses. Gepäck abgeladen und uns erst einmal auf die Suche nach was Essbarem gemacht. Die Wahl fiel auf das ??? ganz in der Nähe, wo Chen Nee einen Karpfen in Soja-Soße (???), eine Art Wirsing-Suppe mit Spare-Ribs (???) und etwas mit Knoblauch gebratenes Gemüse (???). Dazu ein Bier der örtlichen Yanjing-Brauerei, das in einer überraschend großen 0,6l-Flasche, dafür aber mit überraschend kleinen Gläsern (0,1l) serviert wurde. Der Fisch kam dann schon nach einer knappen Minute – kalt. Erinnerte mehr an eine überdimensionale Makrele und war nicht wirklich ein Renner.
Danach zur Bank und nach Ausfüllen von einigen Formularen (bei denen nicht nur ich, sondern auch der Bankangestellte seine Passnummer eintragen musste) bekam ich meine EUR in RMB gewechselt. Anschließend noch eine SIM-Karte für’s Handy gekauft (80 RMB, davon 50 RMB Guthaben), damit wir günstige Inlandsgespräche führen können, und dann gemütlich die Gegend erkundet – heute stand erst einmal die Akklimatisierung auf dem Programm.
Unser Weg führte uns zum Beihai Park, den unser Reiseführer als „Ort der Stille“ beschrieb – aber eher das Gegenteil war der Fall. Der Park wird dominiert vom namensgebenden „Nordsee“, der von den Chinesen vorzugsweise berudert wird, und der lamaistischen „Weißen Pagode“ [Bai Ta] – alles in allem kein must-see. Entschädigt wurden wie durch eine Fotosession mit zwei der überall präsenten Soldaten sowie einem (Wasser-)Kalligraphen, der seine vergängliche Kunst an den Zeichen „Ni hao de guo“ („Hallo Deutschland“) demonstrierte.
Verlässt man den Park in südlicher Richtung, befindet man sich bereits in unmittelbarer Nähe zur Verbotenen Stadt. Aufgrund der Feiertage wurden die Gebäude festlich angestrahlt, dazu hing der Vollmond tief am Himmel – eine Kombination, die nicht nur wir als schönes Fotomotiv erkannten: Stativ an Stativ reihten sich die Kameras, vom Nostalgiemodell bis zur Highend-DSLR.
Mit der Mofa-Rikscha ging’s zur bekanntesten Fressmeile der Stadt, dem Dong Hua Men Nachtmarkt, wo sich wie an einer Perlenkette mehrere Dutzend Straßenverkäufer aneinander reihen. Die meisten verkaufen etwas am Spieß, wobei dieses „etwas“ so ziemlich alles sein kann: Skorpion, Seidenraupe, Schlange – auch was keine vier Beine hat, wird also gnadenlos verspeist. Die Preise fallen in die Kategorie Wucher (5 RMB pro Spieß statt normalerweise 1 RMB), die Qualität ist mies (getränkt mit Fett) und last-but-least: über dem Markt hängt ein Geruch, der einem den Magen umdreht. Chen Nee ordnete ihn „stinkendem Tofu“ [???] zu, aber für mich roch es eher nach ranzigem Frittierfett.
Nach zwei Kostproben verlagerten wir uns daher auf die andere Straßenseite in die „Hong Kong Food City“. Nach einem Bier, einigen Jiaozi und Dim Sum sowie „Jakobsmuscheln nach Szechuan-Art“ hatte ich mich wieder gefasst und wir machten uns mit dem Taxi auf in Richtung Hotel. Ab in die Kiste – traditionelle Holzbetten mit einer extrem dünnen Matratze [Luo Han Chuang] -, aber trotzdem geschlafen wie ein Sack. Schließlich mussten wir am nächsten Tag früh raus …
Fotos des Tages:
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Vormerken: Die Landschaft nördlich von Beijing
(Note: the landscape north of Beijing)
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Die Außenbezirke Beijings
(Outer regions of Beijing)
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Das erste Essen: die Auswahl fällt schwer
(The first meal: spoilt with choices- what to choose??)
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Beihai Park mit der “Weißen Pagode”
(Beihai Park with the „White Pagoda“)
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Die “Weiße Pagode”
(The White Pagoda)
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Beihai Park
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Die beiden waren sichtlich überrascht von unserer Bitte
(Those two were obviously surprised by our request)
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(Wasser-)Kalligraph im Beihai Park
(Water-calligrapher in Beihai Park)
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Wasserkalligraphie “Hallo Deutschland!”
(Water-calligraphy „Hello Germany!“)
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Fotograf mit Nostalgiemodell
(Photographer with a nostalgic model )
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Nordwestliche Ecke der Verbotenen Stadt
(Northwest corner of the forbidden city)
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Dong Hua Men Nachtmarkt: Seestern am Spieß
(Dong Hua Men night market: starfish skewers )
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Dong Hua Men Nachtmarkt: Seidenraupe am Spieß
(Dong Hua Men night market: silkworm skewers)
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Unser Zimmer im Shuaifu Zhongtang Hotel
(Our room in Shuaifu Zhongtang)
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Innenhof im Shuaifu Zhongtang Hotel
(Inner courtyard of Shauifu Zhongtang Hotel)
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Innenhof im Shuaifu Zhongtang Hotel
(Inner courtyard of Shauifu Zhongtang Hotel)
And here for our english-speaking followers:
BEIJING: FIRST SHOCKS
I must have slept like a log, ‚cos the next thing I knew were the lights coming on around 07:00 (Beijing time, i.e. GMT+8) and they were serving breakfast. Actually none of us were hungry, so Chen Nee, knowing well what yummy things would be waiting in every alley of Beijing for her, gave her meal a pass. She didn’t miss much. The Finnair food, just as the night before, could be described as „filling“, rather than „tasty“.
After we had flown for some time over a very impressive mountainous terrain (probably inner Mongolia, around Hohhot), the plane began to descend and we arrived in Beijing at 09:00. Besides the normal immigration form we had to fill in a special „swine flu form“. On it were questions like whether we had any symptoms and where we had been for the past 7 days and also where we would be in the next 7. After walking past 2 temperature controls with infrared cameras, we reached the passport control, where they let us enter with our 30-day visas (had got them a few weeks ago in the Frankfurt consulate ) without posing any problem. The airport was modern, but surprisingly empty – that, when everyone had warned us beforehand of the holiday season (the 60th anniversary of the People’s Republic of China and the Autumn Festival in the same week), when the crowd was supposed to be omnipresent. A shuttle bus took us to the baggage claim (our rucksacks were even faster there) and after a short orientation we went to the ATM. Chen Nee had opened an account with the German DKB that allows worldwide cash withdrawal at all VISA ATMs without charging any fee, something we would come to find very useful in the following three weeks.
Equipped with cash, we ventured into town centre to deposit our luggage. We took the airport express train (25 RMB, exchange rate was about 1 to 10, i.e. 10 RMB = 1 Euro) to the terminal station Dongzhimen, hopped directly into the subway line 2 and took it to Chegongzhuang (2 RMB). We wanted to walk the rest of the way to our hotel, thinking it should be a stone’s throw away – it turned out to be a march of almost an hour. Later we realised we should have alighted at the Xisi station, which was just next to our hotel, but since the subway line 4 was only built in 2008 for the Olympics, it was not listed on our trusty guide the Lonely Planet (10th edition, summer 2007). Then again, the march gave us our first impressions of the “old” Beijing too.
Around noon we managed to check in finally at Shauifu Zhongtang Hotel (429 RMB), built in the courtyard of a typical Hutong. Left our luggage there and went in search for food. We picked the Huifeng (惠丰) restaurant nearby, where Chen Nee order a carp in soya sauce (酥鲤鱼), spareribs and iceberg lettuce soup (排骨雪菜汤), and some vegetable fried in garlic oil (炒油麦菜). To that a Yanjing beer from the region that came in a surprisingly large 0,6 L bottle to be drunk with a surprisingly tiny glass (0,1 L). The fish came after almost a minute – cold. Reminded us of a humongous mackerel and didn’t leave us longing for more.
Went to the bank afterwards, where I had to fill up forms after forms (on which not only me, but also the guy at the counter had to write down his passport nr.) before getting my Euro changed into RMB. After that we bought a SIM card for our mobile (80 RMB, but only a value of 50 RMB) to make cheap domestic calls, and began exploring. Today’s program: getting accustomed to the city.
The exploration took us to the Beihai Park, described as the “quiet place” in our guide – but the opposite was true. The park was dominated by the “North Lake” (hence the name, Beihai), where the Chinese loved to row their boats on, and the Lamaistic “White Pagoda” (Bai Ta). In short, no must-see. The redemption came as a photo session with 2 of the omnipresent soldiers as well as a water-calligrapher, who demonstrated his evanescent art with the words “de guo ni hao” (“hello Germany”).
(to be cont’d…)