Beijing: Menschenmassen und Pekingoper
Wieder früh raus, diesmal weil wir an der Verbotenen Stadt sein wollten, wenn sich um 8:30 Uhr die Tore öffnen. Wieder kein Frühstück, diesmal weil das Hotel nur Brot anbietet.
Mit dem Bus (1 RMB) bis nach Xidan gefahren, dann zu Fuß weiter – leider in die falsche Richtung. Bis wir den Irrtum bemerkt und korrigiert hatten, war es auch schon reichlich spät. Außerdem gingen wir, je mehr wir uns dem Platz des Himmlischen Friedens näherten, in einem Mahlstrom von Menschen unter. Zum ersten Mal erlebten wir was es heißt, in der „Goldenen Woche“ Anfang Oktober unterwegs zu sein: die Sehenswürdigkeiten mit einer Millarde Chinese teilen zu müssen, die in dieser Woche traditionell Urlaub nehmen.
Vorbei am eiförmigen „National Grand Theatre“ (erinnert an Singapore’s „Esplanades“) und – als Kontrast dazu – dem reichlich beflaggten Nationalkongress erreichten wir schließlich den Tian’anmen-Platz. Die Größe des Platzes (immerhin die größte befestigte Fläche weltweit, die Raum für bis zu einer Million Menschen bietet) ließ sich nur schwer erahnen, da dort an diesem Tag die Wägen der Feiertagsparade ausgestellt wurden. Da wir weder Maos Mausoleum bewundern noch das eigentliche Tian’anmen (das Tor des Himmlischen Friedens, mit einem Großporträt Maos) besteigen wollten, verließen wir den Platz nach kurzer Zeit auf der Ostseite und orientierten und nach einer kurzen Stärkung mit Nudelsuppe und (miserablen) Baozi südlich in Richtung Qianmen Dajie mit der daran angrenzenden Dazhalong Jie – beide extremst touristisch und reichlich uninteressant – weiter zu unserem eigentlichem Ziel, dem Zhengyici Theater. Dort wollten wir Karten für die Pekingoper bestellen, doch leider war das Theater wegen Renovierung geschlossen.
Ein netter Riksha-Fahrer gab uns den Tipp, unser Glück in einem nahe gelegenen Theater zu versuchen. Also weiter durch die Hutongs, einen Blick in die „Antiquitätenstraße“ Liulichang geworfen (auch keinen Besuch wert), kamen wir endlich in der Huguang Guild Hall an – einem der vier legendären Opernhäuser Beijings, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1807 zurück reichen. Nachdem wir die Karten für die Abendsvorstellung „Heavenly Maid Scattering Flowers“ [tian nu san hua] (280 RMB) gekauft hatten, kehrten wir erst einmal im Jiguge Teehaus (Nr. 136 East Liulichang) ein: Bei Tee, Jiaozi und Da Sau Keksen könnten wir unseren Beinen eine Verschnaufpause.
Da wir bis zum Vorstellungsbeginn noch ein Stündchen Zeit hatten, erkundeten wir einige weitere Seitenstraßen und erreichten pünktlich zum Einlass wieder das Theater. Man sitzt dort an Sechsertischen und bekommt Tee, Erdnüsse und getrocknete Datteln als Knabbereien serviert. Das Ganze richtet sich wohl eher an Europäer, daher hielt sich der musikalische Teil deutlich im Hintergrund. Akrobatik und Kampfkunst dominierten dagegen die Vorstellung, so dass sich die Oper als überraschend kurzweilig entpuppte.
Nach dem Einleitungssketch „Crossroads“ – Clown versucht Reisenden in dessen (dunklem) Zimmer zu ermorden, um an dessen Schwert zu kommen – wurden zwei Szenen aus der titelgebenden Geschichte gespielt: erst eine tänzerische Vorstellung der Maid, dann die Stelle, an der sich versucht das magische Kraut vom Reh und Kranich zu stehlen, um Ihren todkranken Mann zu heilen (der die Tatsache, dass sie eigentlich ein Schlangendämon ist, nicht so gut aufgenommen hat wie erhofft). Hört sich seltsam an, ist es irgendwie auch. Auf die angebotenen Kopfhörer kann man jedenfalls getrost verzichten, da die wichtigsten Passagen „übertitelt“ sind.
Da wir den ganzen Tag noch nichts „Richtiges“ gegessen hatten, machten wir uns nach der Vorstellung in eines der Hutongs auf, die wir nachmittags durchstreift hatten, und genehmigten uns dort eine ordentliche Portion „Gong Bao Ji Ding“ (Hühnchen mit Gurke, Erdnüssen und einer feinen Note Szechuan-Pfeffer) sowie fein geschnittene Kartoffelstreifen. Danach ging’s dann schnell mit dem Taxi nach Hause, wir mussten am nächsten Tag schließlich wieder früh raus.
Fotos des Tages:
- Fahrradreparatur auf Chinesisch
- Ein Modell der Trägerrakete CZ-2F vom Typ “Langer Marsch”, die den ersten Taikonauten ins All beförderte
- Das “National Grand Theatre” mit dem Nationalkongress im Hintergrund
- Familienfotos auf dem Tian’anmen-Platz I
- Das Tor des Himmlischen Friedens mit Mao-Porträt
- Familienfotos auf dem Tian’anmen-Platz II
- Auch die Polizisten sind nur Menschen
- Familienfotos auf dem Tian’anmen-Platz III
- Notfalls unterstützt die Polizei auch bei technischen Problemen
- Soldat im Dienst
- Man beachte die Hosen!
- Nach dem Foto bekam ich auch Lust auf Nudelsuppe
- Tian Ping vom Straßenrand – dort schmeckt’s am Besten
- Kandierte Früchte im Straßenverkauf
- Qianmen Dajie
- Frechdachs mit stilechter Frisur
- Hutong-Bewohner beim Chinesischen Schach (Xiang Qi)
- Außenansicht der Huguang Guild Hall
- Innenraum der Huguang Guild Hall
- Die Heldin des Stücks, “Heavenly Maid”
- Die “Maid” im Kampf gegen Reh und Kranich
Videos des Tages:
Erstellt am Dienstag 6. Oktober 2009
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