Qufu (Shandong): Weiter Richtung Süden
Wenn man eine Nacht auf dem Tai Shan verbringt, gehört früh aufzustehen sozusagen zum Pflichtprogramm – schließlich gehört der Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu den Highlights. Um 5 Uhr weckte das Hotelpersonal alle Gäste, wer wollte konnte noch eine ausrangierte Armee-Jacke gegen die Kälte ausleihen. Anschließend pilgerte eine weitgehend grüne Karawane rund 20 Minuten zum besten Aussichtspunkt und brachte sich in Position. Kamera aufgebaut, gewartet, die Dämmerung kam, weiter gewartet, es ward hell – aber von Sonne keine Spur, zu bewölkt war es an diesem Tag.
Etwas enttäuscht ging’s zurück ins Zimmer, Sachen packen und schnell die Flucht ergriffen, bevor das Personal die Sauerei entdeckte, die wir hinterlassen hatten. Mit der auf der gegenüber liegenden Seite des Gipfels gelegenen Seilbahn ging’s den Berg hinunter zur Pfirsichblütenpark (80 RMB), dem wir jedoch keinerlei Beachtung schenkten, sondern den Touristenbus (30 RMB) nach Tao Hua Yu und gleich im Anschluss Bus Nr. 16 (2 RMB) zurück zum Bahnhof nahmen, um unser deponiertes Gepäck abzuholen. Zuvor erkundeten wir allerdings noch die Gassen und Märkte von Tai’an und wechselten noch etwas Geld. Als wir bei einem McDonald’s vorbeikamen, konnte ich nicht widerstehen und genehmigte mir eine Art Schoko-Frühlingsrolle und einen Kaffee – der erhoffte „Ahh“-Effekt blieb jedoch aus, anscheinend reicht eine Woche chinesische Kost nicht um Entzugserscheinungen zu verursachen.
Wieder voll beladen ging es um 14 Uhr direkt am Bahnhof in den Bus nach Qufu, Geburtsort von Konfuzius und noch heute Pilgerort für seine Anhänger. Als wir dort rund eine Stunde später ankamen, mussten wir erst einmal feststellen, dass die Busstation – eigentlich direkt südlich vom Stadtzentrum gelegen – geschlossen und durch eine neue, rund fünf Kilometer weiter südlich gelegene ersetzt wurde. So ganz wollten wir dem Taxifahrer die Geschichte erst nicht glauben, als er uns für 10 RMB seine Dienste anbot – aber spätestens als er uns die ausrangierte Haltestelle beim Vorbeifahren zeigt, waren wir überzeugt.
Im Zentrum waren wir, nur ein Hotel hatten wir diesmal noch nicht im Vorfeld reserviert: mal schauen, was für Schnäppchen man vor Ort erzielen kann. Die Empfehlung des Fahrers hätten wir für 200 RMB, ein benachbartes Hostel sogar für 100 RMB (inkl. Internet-PC im Zimmer!) bekommen, schlussendlich entschieden wir uns dann doch für das einzige „4-Sterne-Hotel“ vor Ort (400 RMB, nach einigem Gefeilsche, ohne Frühstück), dem Queli Hotel. Da es für’s Sightseeing zu spät, für’s Essen zu früh war, nahm sich Chen Nee der Dreckwäsche an, während ich mich durch die Chinesischen Fernsehprogramme zappte – danke dafür :). Gegen 19 Uhr ging’s dann aber wieder weiter, schließlich wollten wir ja auch was von Qufu sehen: ein Jian Ping von der Straße als Grundlage, dann etwas gebummelt und anschließend in der (einzigen?) Fressmeile gelandet. Links und rechts priesen die Verkäufer die unterschiedlichsten Gerichte an – von Tintenfisch am Spieß bis zu Kalten Nudeln. Wir entschieden uns für eine Tofu-Kohl-Enten-Suppe und einigen „Platt-Sprossen“, was sich leider als die falsche Wahl entpuppte: weder das eine noch das andere schmeckte wirklich, wobei es die Sprossen schafften so zu schmecken wie Pflaster riechen.
Wir wanderten anschließend noch etwas umher, kamen dabei wohl auch am Rotlichtvierel von Qufu vorbei und kehrten dann in unser Hotel zurück. Heiß geduscht und diesmal es sollte es an Chen Nee sein, den Schlaf der Gerechten zu schlafen. Zuvor fragte eine nette Dame aber noch am Telefon an, ob wir nicht Interesse an einer „Massage“ hätten. Hierzulande anscheinend nichts Ungewöhnliches, denn auch unser Lonely Planet weiß davon zu berichten, allerdings über Anrufe zu deutlich unchristlicheren Zeiten.
Fotos des Tages:
- Das Warten auf einen schönen Sonnenaufgang war leider vergeblich …
- … zu der Erkenntnis kamen bald auch die anderen Frühaufsteher in ihren ausrangierten Armeejacken …
- … aber wofür gibt‘ denn Photoshop: Hier preist jemand seine Alternative aus dem Computer an.
- Posing oder Meditation
- Der “Übeltäter”
- Straßenspiele I: Pool-Billard
- Zimmer zu vermieten!
- Verkehrsteilnehmer II
- Der gehört mal in die Waschmaschine!
- Eine neue Ladung Bao Zi
- Vom Dämpfer direkt in den Verkauf – frischer geht’s nicht
- Die Marktstraße in Tai’an: Schon Gekochtes …
- … oder lieber ein (blaues) Huhn zum selbst zubereiten?
- Chinesische Blutwurst
- Backwaren
- Dirndl-Bierwerbung in Tai’an
- Kräuterstand
- Das “Queli Hotel” in Qufu
- Hier gibt’s Hund
- Die Stadtmauer von Qufu
- Der Blick sagt alles: das war eine Fehlbestellung
Erstellt am Montag 12. Oktober 2009
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