Beijing: Peking at its best
Heute wollten wir einen zweiten Anlauf zur Verbotenen Stadt starten: um sieben Uhr raus, mit dem Taxi direkt zum Nordeingang und 45 Minuten vor Einlass am Ticketschalter gestanden während Chen Nee sich auf die Suche nach einem Frühstück gemacht hat. So früh hätten wir gar nicht da sein müssen, denn der Andrang hielt sich in Grenzen. Tickets und Audioguide (60+40 RMB, zzgl. 100 RMB Kaution) gekauft und Punkt 8:30 Uhr rein.
Im Nachhinein bin ich froh gewesen, nicht den Haupteingang über Tian’anmen genommen zu haben: die Kulisse steigerte sich stetig vom beschaulichen Kaiserlichen Kartenm über die Vor- und Nebenhallen bis hin zur kolossalen „Halle der perfekten Harmonie“ und dem Vorplatz, auf dem bei wichtigen Anlässen der Hof dem Kaiser huldigte. Auf jeden Fall ein must-see, für das man mindestens einen halben Tag freihalten sollte.
Da Chen Nees morgendliche Suche erfolglos geblieben war, hatten wir mittlerweile genug Kohldampf, um einen letzten offenen Punkt in Angriff nehmen zu können: Pekingente. Vom Ostausgang also strammen Schrittes über die Flaniermeile Wangfujing Dajie zum „Qianjude Roast Duck Restaurant“, dessen Hauptfiliale in der Qianmen Dajie sich rühmt, der Geburtsort der Pekingente zu sein. Wir nahmen gleich das Entenmenü für zwei (380 RMB) bestehend aus leckerer Suppe mit Fischmagen, eingelegter Gurke, Ente mit 4 Schätzen (hinter derartigen „Schätzen“ verbirgt sich meistens mindestens eine Innerei – in diesem Fall der Muskelmagen) sowie Entenhaut mit Sojasoße und Frühlingszwiebeln im dünnen Pfannkuchen – deutlich zu viel für uns beide, obwohl wir gehörigen Appetit mitbrachten.
Der anschließend aufkommenden Bettschwere gaben wir keine Chance, sondern machten uns direkt auf die Suche nach einem Schneider. So verschlug es und schließlich ins Trendviertel Sanlitun, das bei Chen Nee starke Erinnerungen an Singapur weckte: Shopping Malls mit westlichen Marken, Clubs, Tapasbars – gerade die Dinge, wegen denen wir NICHT nach Beijing gekommen sind. Entsprechend hatte auch der Schneider fast westliche Preise und wir machten uns Richtung Hotel auf, um die restliche Zeit bis zu unserem Zug nach Datong mit Teehaus und Abendessen zu verbringen.
Ein Teehaus fanden mit dann leider keines, auch die anvisierten Dau Sa Bao in drei Varianten gab es leider nur kalt zu kaufen. Also ab ins nächste Hutong, kleines Abendessen (das Bier zu rekordverdächtigen 3 RMB) zu uns genommen und anschließend ins Hotel, um unser Gepäck zu holen und im provisorischen „Teeraum“ doch noch bei einem Becher Cha auszuruhen.
Gegen 23:30 Uhr nahmen wir dann ein Taxi zum Bahnhof Peking West. Einlass nur mit gültigem Ticket, Sicherheitskontrollen – alles Dinge, die man eher vom Flughafen kennt als von einem Bahnhof. Es gibt separate Warteräume für jedes Gleis und auch vor Betreten des Gleises muss man sich durch Vorzeigen des Tickets ausweisen – ein Abholen von Freunden ist also nur vorm Bahnhofsausgang möglich.
Nicht nur das Bahnhofsgebäude mit seinen großen Anzeigetafeln, sondern auch die Züge selbst machten einen wesentlich besseren Eindruck als ich es erwartet hatte. Wir hatten bei einer Agentur im Internet zwei Betten der besten Kategorie „Soft Sleeper“ gebucht (für 50 EUR bestellt und an die Hoteladresse liefern lassen, der Normalpreis liegt bei 150 RMB je Ticket) und während es sich Chen Nee im unteren Bett bequem machte und mit den beiden anderen, aus Datong stammenden Reisenden in unserer Kabine plauderte, krabbelte ich in die obere Koje. Dort war zwar weniger Plaz zu sitzen, aber dafür genügend Stauraum für mein Gepäck vorhanden. Es war auch alles da, was man für einen angenehmen Schlaf braucht (weiche Matratze, warmes Bettzeug) – und dazu auch noch frisch gewaschen. So verwundert es nicht, dass ich schon eingeschlafen bin, bevor der Zug überhaupt losgefahren ist.
Fotos des Tages:
- Morgengymnastik vor der Verbotenen Stadt
- Skulptur im Kaiserlichen Garten der Verbotenen Stadt
- “Hydrant” vor dem Palast der Himmlischen Reinheit
- Die Verbotene Stadt
- Treppenrelief in der Verbotenen Stadt
- Der Platz vor der Halle der Höchsten Harmonie
- Besucher der Verbotenen Stadt I
- Prachtvolles Entwässserungssystem
- Die Halle der Höchsten Harmonie
- Besucher der Verbotenen Stadt II
- Vor der Halle der Höchsten Harmonie
- (Männlicher) Löwe vor dem Tor der Höchsten Harmonie
- Pekingente im “Qianjude”: Aufschneiden …
- … Esstechnik demonstrieren …
- … und los geht’s!
- Eben noch voll, plötzlich wie ausgestorben.
- Verkehrsteilnehmer I
- ”Teeraum“ im Shuaifu Zhongtang Hotel
Erstellt am Mittwoch 7. Oktober 2009
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