Wuyuan (Jiangxi): Essen wie bei Muttern
Am nächsten Morgen schauten wir uns Xiao Likeng noch etwas bei Tageslicht an – nicht ohne zuvor die Vorräte der Bao Zi Verkäuferin geplündert zu haben – und machten uns dann auf den Weg zu unserer Pension, um unser Gepäck zu holen. Die Betreiberin erzählte uns von einem Bekannten, der uns für 120 RMB den ganzen Tag durch die Dörfer führen und anschließend in Wuyuan absetzen könne – ein verlockendes Angebot, das wir in Anbetracht der gestrigen Feilscherei gerne annahmen (kein Wunder, dass der Fahrer gestern von einem „dicken Fisch“ sprach, als er uns 55 RMB für 45 Minuten Fahrt in Rechnung stellte). Der Guide erwies sich dann auch als sehr nett, führte uns zunächst nach Yancun [延村] und Sixi [思溪] – deutlich weniger touristisch als die zwei Dörfer am Vortag.
Das Mittagessen gab’s im gleichen Stil wie am Vortag – mit dem Unterschied, dass das Hühnchen gebraten statt in Suppe daherkam und deutlich mehr Fleisch auf den Rippen hatte. Außerdem hatten wir auf Fisch verzichtet (den Karpfen trafen wir später im Waschbecken schwimmend wieder). Kulinarisches Highlight war jedoch der Kürbis, der wie das übrige Gemüse wohl aus den umliegenden Gärten stammte.
Viel Neues hatten die beiden Dörfer jedoch nicht zu bieten, in Sixi gab es auch wieder die schon bekannte Teeprobe – allerdings im Vergleich zu Xiaoqi in deutlich abgespeckter Form mit deutlich schlechterem Tee zu deutlich günstigeren Preisen. Danach ging’s weiter nach Qinghua [清华], dessen einzige Attraktion die 140 Meter lange „Regenbogenbrücke“ ist – in dieser Form und Erhaltung einzigartig in China. Vor die Wahl gestellt, im tristen Wuyuan ein Hotelzimmer oder vor Ort einen Raum zu mieten, entschieden wir uns für letzteres – und wie es der „Zufall“ will, hatte unser Führer auch hier eine Adresse parat. Erst waren wir skeptisch, doch die Räumlichkeiten (60 RMB) überzeugten uns: zwar gab es auch hier nur ein Loch-Klo, aber gerade die Toilette mache insgesamt doch einen sehr sauberen Eindruck. Eigentliches Highlight war jedoch die direkt vor unserem Fenster gelegene Dachterrasse, die einen schönen Blick auf den Sonnenuntergang garantierte.
Nach kurzer Siesta suchten wir die „Alte Straße“, die das Dorfzentrum markieren sollte, doch dort war ebenso wie in den übrigen Gassen tote Hose. Als wir an einem Haus mit einem mit Essen beladenen Tisch vorbeikamen, fragten wir vorsichtig an, ob sich in der Nähe ein Restaurant befände – in der stillen Hoffnung, dor mit essen zu können. Es stellte sich heraus, dass die Besitzerin des gegenüber liegenden Hauses tatsächlich für Gäste kocht. Wenige Minuten später fanden wir uns also im Wohnzimmer der Dame an einem runden Tisch vor laufendem Fernseher wieder, während sie in der Küche das Abendessen zubereitete (Kleine Flussfische, Kürbis, Tofu und Tomate mit Ei) – die Mädels fühlten sich an ihre Zeit bei Muttern erinnert.
Danach ging’s im Licht einer Maglite – wie gesagt, tote Hose – und einer Flasche gekühltem Bier zurück zur Unterkunft, wo wir uns bei der netten Vermieterin noch mit Obst (Longdan zum Knabbern, Äpfel und Mandarinen als Reiseproviant) eindeckten – sie war im Zweit- bzw. Drittberuf Obsthändlerin auf dem Markt. Den Abend ließen wir dann auf „unserer“ Dachterrasse bei Bier, Keksen und Longdan gemütlich ausklingen.
Fotos des Tages:
- Strohhütte
- Morgendlicher Blick auf Xiao Likeng
- Dorfimpressionen I
- Dorfimpressionen II
- Dorfimpressionen III
- Mittagsschlaf
- Dorfimpressionen IV
- Effektiv: Mittagessen und Verdauungsspaziergang gleichzeitig
- Dorfimpressionen V
- Dorfimpressionen VI
- Frischer Zuckerrohrsaft
- Blick über die Dächer von Xiao Likeng
- Ohne Arbeit
- Feldarbeit V
- Dorfimpressionen VII
- Hausarbeit I
- Warum es in Yancun einen riesigen Abakus gibt? Gute Frage!
- Baumwollfeld
- Die “Speisekarte”
- Dich gibt’s gleich zum Mittagessen
- Der Mann mit dem Maiskolben
- Neugierig
- Kunstwerk …
- … und Original
- Reis zum Trocknen in der Sonne
- Typisches Haus im Hui-Stil: Durch die Öffnung im Dach kann das Wasser gesammelt werden
- Zeugnis der Kulturrevolution: Alle Figuren wurden “geköpft”
- Auch hier der zweistöckige Hui-Stil
- Ackerland
- Landwirtschaftliches Gerät
- Fußweg nach Jingdezhen – 50 Kilometer
- Die “Regenbogenbrücke” in Qinghua
- Unser Schlafzimmer …
- … und das Bad
- Wasser für den Kleingarten
- Blick von der Terrasse
- Rauchschwaden in der Dämmerung




































